Spieleautor Jürgen Godlewski: Der Gipfelstürmer aus Essen!

Die Veröffentlichung des Spiels „Gipfelkraxler“ – einem Brettspiel mit Kniffel-Charakter – von Erfolgsautor Friedemann Friese schlug unerwartet hohe Wellen. Sowohl beim AMIGO-Verlag aus dem beschaulichen Dietzenbach, welcher sich über sehr positive Verlaufszahlen freuen konnte, als auch beim Essener Spieleautoren Jürgen Godlewski.

Bereits im Jahr 2007 veröffentlichte dieser erstmals im Eigenvertrieb sein Spiel „Gipfelstürmer“ – ein Titel, welchen in seiner Erstauflage auch das ähnliche Friedemann’sche Werk schon trug. Wann immer in Spielevorstellungen derzeit der „Gipfelkraxler“ angesprochen wird, stellt sich auch die noch immer unklare Frage nach der Neuauflage samt Namenswechsel. Grund genug, mich mit Jürgen Godlewski im Essener Lokal „Fritzpatrick’s“ zu treffen und mich über sein Schaffen zu unterhalten.

Wer diesen Irish Pub im Szeneviertel Rüttenscheid kennt, weiß sein von Holz dominiertes Ambiente zu schätzen. Ein entscheidender Faktor, welcher auch auf das Spiel zutrifft.

In beiden „Gipfel…“-Spielen besetzen bergsteigende Ziegen die jeweiligen Hauptrollen. Durch Würfelglück und Taktik legen diese es drauf an, einen Berggipfel in möglichst wenigen Zügen zu erklimmen. „Die Idee kam mir schon als Student“, erzählt der leidenschaftliche Gebirgswanderer. Doch wie es so ist, es fehlen die Kontakte.

Die Hürden eines jungen, aufstrebenden Spieleerfinders können enorm hoch sein, in einer Jahr für Jahr schwerer umkämpften Branche wie der des Gesellschaftsspiels. Mit einem jährlichen Wachstum von 20% ist das Spielen deutlich im Aufwind, Titel wie „Spiel des Jahres“ oder „Deutscher Spielepreis“ sind erklärte Ziele eines jeden Tüftlers. So entwickeln sich die Spiele mit dem begehrten roten Pöppel unter Garantie zum Kassenschlager. „Die Oma kauft ihrem Enkel zu Weihnachten am liebsten das Spiel des Jahres“, nennt Godlewski eine mögliche Marschrichtung jeden Erfinders.

image

Sein Spiel, der Gipfelstürmer, verbindet denn auch eine Besonderheit mit den Vorjahressiegern. Die Haptik, „etwas zum Anfassen“ zu haben, teilt es sich mit Gewinnerspielen wie Colt Express oder Camel Up. Alle drei begeistern mit witzig-niedlicher Comic-Grafik, und alle haben diesen gleichermaßen geliebten wie auch gehassten Ärger-Faktor – und sie alle spielen mit dieser 3D-Komponente, welche sie im wahrsten Sinne des Wortes abhebt. Egal ob der Zug im Slapstick-Western oder die Würfelpyramide des Wüstenrennens: Spiele, welche das klassische Spielbrett „durchbrechen“, schinden Eindruck.

In Godlewskis Spiel bestimmen L-Klötze aus Echtholz die Szenerie. Zu Beginn taktieren die Spieler um die Wette, 32 dieser Holzklötze möglichst zu seinem eigenen Vorteil zusammen zu bauen. Im anschließenden Spielverlauf versuchen die bis zu vier Gipfelstürmer, ihre eigenen Vorteile auch zu nutzen und mit möglichst wenigen Zügen den selbstgebauten Gipfel zu erklimmen. Hier erst zahlt sich aus, wer gutes Auge, Planungsgeschick und vorausschauendes Denken bewiesen hat. Wer es schafft den Kontrahenten große Felswände vor die Hufen zu stellen und deren Wege zu sabotieren, hat es einfacher.

image

Sowieso ist Godlewski die Interaktion in Spielen wichtig. In seinem Spiel bietet sich durch Aktionskarten die Gelegenheit, die Gegner in die Tiefe zu befördern, aussetzen zu lassen oder seine eigenen Figuren Richtung Gipfel zu hieven. Jeder Spieldurchgang spielt sich auf seine eigene Weise, dafür sorgt schon der variable Spielaufbau – ein unschätzbarer Vorteil gegenüber des AMIGO-Spiels, welches durch die von Beginn an festgelegten benötigten Würfelerfolge sogar noch vergleichsweise berechenbar ist. Spaß machen beide, auch wenn Godlewski’s Werk durchaus als Liebhaberobjekt bezeichnet werden kann.

Die gefrästen Holzteile, die Illustrationen, die ganze Arbeit vom Gipfelstürmer macht einiges her. Von Holz auf Kunststoff umzusteigen, nur um durch niedrigere Produktionskosten die Vermarktbarkeit zu erhöhen stand allen Avancen der Spieleverlage zum Trotz nie zur Debatte. Die Angebote gab es schon mehrfach, doch immer war die Prämisse, dass die elegante Optik wichtiger war als ein niedriger Preis oder die Vermarktbarkeit. Viel eher noch, so Godlewski, könne er sich sein Spiel in einer Sammlerausgabe aus Stein vorstellen. Der Eigenvertrieb macht diese Entscheidungen möglich, wenn ihm danach ist.
image

Auf seine Entscheidungen kann er allerdings auch stolz sein. Mehrere Jahre hätten er und sein vielköpfiges Team getüftelt und getestet, bis der „Gipfelstürmer“ Marktreife besaß. Kartonweise Fragebögen nach unzähligen Testrunden waren nötig, um auch auf jede Eventualität vorbereitet zu sein.

Der Gipfelstürmer hat bereits den Weg zu vielen Spielbegeisterten gefunden. Unter anderem war er in den vergangenen Jahren auf den Spielemessen in Essen, Remscheid, Ratingen und Herne anzutreffen.

Bereits bei dem ersten Messeauftritt  war die erste Auflage vergriffen so dass eine weitere produziert wurde. Unter den Käufern gab es auch ungewöhnliche Anfragen nach dem Gipfelstürmer – nämlich von Personen, welche etwas mehr in der Öffentlichkeit stehen. Wer das  so alles war, darüber schweigt der Autor lächelnd.

Das ähnlich anmutende AMIGO-Werk „Gipfelkraxler“ weist dessen Autor Friedemann Friese auf jeden Fall als Kenner des Essener Ziegenspiels aus, so sorgt doch der Hinweis auf die Internetseite des „thematisch ähnlichen“ Spiels von Jürgen Godlewski in der Anleitung seit seiner Veröffentlichung für ein erneut gesteigertes Interesse. Wer die gängigen Internetseiten auf der Suche nach Spielevorstellungen durchforstet, kriegt auch immer wieder die Frage nach dem Grund der Namensänderung gestellt. Dabei hat AMIGO schlichtweg nicht aufgepasst und sich für den bereits vergebenen Titel entschieden – auf freundschaftlicher Basis einigten sich alle Beteiligten anschließend, die Erstauflage noch unter dem alten Titel auszuverkaufen, die folgenden Ausgaben dann unter dem neuen Titel „Gipfelkraxler“ in Druck zu geben.

image
Aus dem Gipfelstürmer wurde der Gipfelkraxler (AMIGO Verlag)

Was die Zukunft noch geben wird? Konkrete Planungen für neue Spiele hat Jürgen Godlewski noch nicht, wohl aber sind die Arbeiten aus dem Gipfelstürmer-Universum noch lange nicht am Ende. Neben weiteren Übersetzungen – neben einer englischen gibt es sowohl eine französische und eine finnische – träumt er von einer noch hochwertigeren Sammlerausgabe, noch besseren Vertriebsmöglichkeiten oder einem Gipfelstürmer-Turnier sowie einer Erweiterung für den Dauerbrenner. Die Idee eines Yeti-Meeples liegt bereits in einer seiner Schubladen. Trotz aller Erfolge, die Ziegen aus Essen dürfen sich auf noch einige zu erstürmende Gipfel freuen.image

Unter www.gipfelstuermer-spiel.de könnt ihr Euch das  Gipfelstürmer Brettspiel einmal anschauen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s