„Glück auf – Das große Kartenspiel“ v. Wolfgang Kramer und Michael Kiesling (Eggertspiele), Zeche Zollverein in Essen – Spielevorstellung

20161025_151140_-kopieSchurenbachhalde, Zeche Carl, Halde Haniel und die Gutehoffnungshütte – einst war das Ruhrgebiet durchzogen von Bergwerken und Kohleindustrieanlagen. Viel außer den Erinnerungen aus längst vergangenen Zeiten und als Industriedenkmäler zurückgebliebenen ehemaligen Zechen ist nicht mehr übrig geblieben. Bereits im Jahr 2013 hatten die Autoren Wolfgang Kramer und Michael Kiesling dieser romantischen Zeit ein würdiges Denkmal gesetzt – das Brettspiel „Glück auf“ wurde veröffentlicht und beförderte die Spieler zurück ins Essen des 19. Jahrhunderts. Das Spiel ist leider nicht mehr verfügbar, doch erhielt es jetzt aktuell mit „Glück auf! – Das große Kartenspiel“ einen kleinen, großen Ableger.

20161025_142330_-kopieJede Spielrunde dieses Kartenspiels – die sogenannte Schicht – startet nach dem gleichen Prinzip. Jeder Spieler erhält seine zehn, mit unterschiedlichen Werten ausgestatteten Arbeiterkarten auf die Hand. Diese tragen Werte von 1 bis 5, wobei jeder Wert für einen einzelnen Arbeiter steht. Wie in einem Spiel mit Arbeitereinsetz-Mechanismus üblich werden seine Arbeiter nun auf die einzelnen Spielaktionen verteilt. Durchgeführt werden können verschiedene Aktionen wie das Platzieren von Kohleloren, Güterwaggons oder Zügen.

20161025_150209_-kopieAuch werden diese Arbeiterkarten benötigt um zum Beispiel Kohle zu fördern oder diese Auszuliefern, um Aufträge einzuholen, Anteile an den vier im Spiel vorkommenden Bestimmungsorten zu erwerben oder Geschäftszielkarten einzusacken – diese bieten weitere Siegpunktebedingungen am Ende eines Spiels. So kann es Bonuspunkte geben zB für abgeschlossene Aufträge, für einheitliche Loktypen oder Bestimmungsorte. Wer am Ende so die meisten Siegpunkte für sich sammeln konnte, gewinnt. Sämtliche Aktionsmöglichkeiten werden hier durch Karten dargestellt, was die Anzahl von knapp 250 Spielkarten erklärt.

Je später im Laufe der Schicht die Spieler ihre Arbeiter auf die Aktionen einsetzen, desto teurer wird es. Mit jeder von den Spielern auf dieser Aktion gespielten Arbeiterkarte steigt der Bedarf an Arbeitern – hat der erste Spieler mit seiner ersten Aktion nur einen Arbeiter eingesetzt, so wird das erneute Tätigen der gleichen Aktion jetzt exakt einen Arbeiter mehr kosten. Dies ist ganz unabhängig davon ob man selbst dieser Spieler ist oder einer der Gegner. Hier gilt es also auch ein wenig zu pokern, in welcher Reihenfolge tätigt man welche Aktion, wie wichtig ist einem diese und lohnt es sich diese wirklich mit fünf (sechs, sieben?) Arbeitern durchzuführen?

Dazu kommt dass Risiko des Verzockens – dadurch dass der Arbeitereinsatz immer nur um exakt 1 steigt kann es vorkommen, dass man mit seinen zur Verfügung stehenden Arbeitern gar nicht genau auf die benötigte Zahl kommt. Über- oder unterbieten ist nicht möglich.

20161025_151140_-kopieWas mich begeistert und das Spiel für mich ausmacht: Die Anzahl an Möglichkeiten ist gar nicht mal so vielfältig und dafür äußerst selbsterklärend. Somit hält sich die Wartezeit zwischen den 2 bis 4 Spielern auf einem Minimum, es bedarf nicht viel Bedenkzeit. Fördere ich die Kohle? Verlade ich die Kohle oder transportiere ich die Kohle ab? Schnappe ich mir einen Auftrag, die Besitzanteile eines Bestimmungsortes oder statte ich meinen Zug aus?

Die jeweils benötigten Spielaktionen können bereits in den Zügen der Gegner überlegt und in seinem eigenen ausgeführt werden. Dies macht das Spiel schnell wie ein typisches Kartenspiel und trotzdem komplex wie das Brettspiel. Die von Dennis Lohausen gestalteten Spielmaterialien erinnern ebenso an die aus dem Vorgänger bekannten Illustrationen. Sie transportieren das romantische Bergwerksgefühl auf schöne Art und Weise und geben zusammen mit der Mechanik und dem Thema ein stimmiges Bild ab.

Eggertspiele schafft mit „Glück auf! Das große Kartenspiel“ das, wofür ich diesen Verlag so mag. In den vergangenen Jahren glänzten die Jungs und Mädels aus Hamburg immer wieder mit Spielen zu innovativen und unausgelutschten Themen. So auch mit den Spielen aus der – man kann es nach Brettspiel, Handy-App und nun Kartenspiel ruhig so nennen – Glück auf-Reihe. Ein unverbrauchtes Thema, ein simpler und eingängiger Mechanismus, dazu dennoch viele verschiedene Möglichkeiten die es gibt, seine Spielweise zu gestalten. Kramer/Kiesling haben zusammen ein Spiel geschaffen, welches die zahlreichen Möglichkeiten eines komplexen Worker Placement-Spieles mit seinen Karten klasse abbildet, nur schneller, kleiner, angenehmer. Dabei versucht es nicht, das Brettspiel zu imitieren sondern schafft seine eigene Umsetzung des Themas. Für mich als bekennenden Ruhri echtes „schwarzes Gold“ und, um im Jargon zu bleiben, seine Kohle wert.

20161025_150821_-kopie

Glück auf! Das große Kartenspiel
von Wolfgang Kramer und Michael Kiesling (Eggertspiele)
2 – 4 Sp. ab 10 J.; Dauer: ca. 50 – 80 Minuten

„Glück auf! Das große Kartenspiel“ ist u.a. erhältlich in Essen bei:

AllGames4You:
http://www.allgames4you.de/epages/AllGames4you.sf/de_DE/…

Hintergrund:

Keine Zeche des Ruhrgebietes ist bis weit über die Landesgrenzen der Bundesrepublik hinaus so bekannt wie die Zeche Zollverein im Essener Stadtteil Stoppenberg. Mitte des 20. Jahrhunderts entstand die Kokerei in Anbindung an den Schacht XII der Zeche Zollverein und produzierte bis zu 8000 Tonnen Koks pro Tag. Bis 1986 wurden auf der Zeche Zollverein insgesamt 240 Millionen Tonnen Kohle abgebaut. Über und unter Tage waren bis zu 8.000 Bergleute rund um die Uhr beschäftigt.

Seitdem die UNESCO das 100 Hektar umfassende Gelände im Jahr 2001 zum „Weltkulturerbe“ ernannte, begann das Aufrüsten eines der malerischsten Industriedenkmälers überhaupt. Die „schönste Zeche der Welt“ begeistert jährlich rund 1,5 Millionen Gäste aus aller Welt. Museen, Ausstellungen und Messeveranstaltungen, dazu Konzerte oder der bloße Besuch des Denkmals – die Zeche Zollverein steht wie keine andere wie sinnbildlich für den deutschen Bergwerksgruß und das gleichnamige Spiel „Glück auf!“. Aus diesem Grund besuchte ich Zollverein und wollte das Spiel auch nur an diesem Ort fotografieren und euch vorstellen.

Weitere Infos zum UNESCO-Weltkulturerbe findet ihr unter:
https://www.zollverein.de/

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s