„Cold Blood – Tod und Spiele“ v. Jarno Banas – Einmal zum Königsmörder werden – Prototypenvorstellung aus Essen

20161103_183756-kopieJa, ich gestehe: Ich bin ein Spießer. Neben meiner Leidenschaft für Brettspiele gehe ich einem stupiden Beruf nach welcher absolut nichts mit dem Spielen oder irgendeiner anderen kreativen Arbeit zu tun hat, ich mag meinen Sonntagabend-Krimi genauso wie ein gelegentliches Treffen bei Kaffee und Kuchen. Ich bin also absolut unaufregend, was mein Tagewerk angeht. Umso schöner traf es sich, dass ich mich mit Jarno Banas, seines Zeichens Autor eines Spieles, verabredet hatte, um all das irgendwie miteinander zu kombinieren – und wenn all dies aufeinander trifft, kann es am Ende tatsächlich doch aufregend werden.

viertelliebe_2014_0Im Essener Café Viertelliebe traf ich mich also mit dem Studenten um all meinen Leidenschaften zu frönen. Zu Kaffee und Kuchen (wer aus Essen kommt, schaut bitte in der Viertelliebe vorbei!!) verabredeten wir uns um „Cold Blood – Tod und Spiele“ anzuschauen und uns darüber zu unterhalten. In Cold Blood, seinem eigenen ersten Kartenspielprototypen, werden wir selbst Protagonist eines blutigen Mordkomplottes. Doch worum geht es?

Die Aufregung ist groß, im namenlosen Königreich. Unterjocht, ungerecht behandelt fühlend und natürlich aus fadenscheinigsten Gründen kriminalisiert haben sich die blutlüsterndsten Mörder, Schurken und Verbrecher den Ursacher „ihres Übels“ ausgesucht und wollen diesen beiseite schaffen – der König muss sterben. Um diese besondere Ehre auch nur demjenigen zu überlassen, der am kaltblütigsten ist, soll ein Wettbewerb gestartet werden – und „Cold Blood – Tod und Spiele“ katapultiert uns geradewegs in diesen Wettbewerb hinein.

Ausgespielt wird dieses mörderische Ereignis des „dunklen Syndikats“ – so der Name der veranstaltenden Schurkengilde – in einem recht kurzweiligen und schnellen Kartenspiel, welches an das Italo-Western-Kartenspiel „Bang!“ erinnert – Jarno Banas spielt am liebsten Spiele wie das erwähnte Bang!, Exploding Kittens oder Magic – frönt also gerne der taktischen Duellierung, mit einem Hang zum Schwarzhumorigen und zur Fantasy. Aus einem anderen, seinem absoluten Lieblingsspiel, bedient er sich auch gerne an Ideen: Dominion.

Jeder Spieler stellt einen von 9 Charakteren dar. Diese sind Mitglieder des Dunklen Syndikats und Duellanten im Wettrennen um den Königsmord. Jeder Charakter hat eine besondere Fähigkeit, wobei zu Spielbeginn bis auf den Charakter selbst nicht klar ist, wer welchen Charakter besitzt.

Jeder Spieler startet mit fünf Karten auf der Hand. Zu Beginn jedes Zuges wird immer eine Karte vom Hauptstapel gezogen. Je nach Kartentyp ist es möglich seine Handkarten auf seinen eigenen Ablagestapel, auf den des Gegners oder auf den Hauptstapel zulegen. Dabei können unterschiedlichste Taten erfolgen.

Es gibt Taten, welche die Gegnern schädigen und ihnen Lebenspunkte abziehen – eine Siegbedingung in Cold Blood wäre, als letzter noch Lebenspunkte zu besitzen und die der anderen Gegnern auf 0 zu senken. Eine andere Siegbedingung wäre das sogenannte Kopfgeld.

Jede ausgespielte Karten steht für eine besondere Tat. Diese können als besonders selbstsüchtig und tötlich gelten und sein eigenes Kopfgeld erhöhen oder es sind welche, die die Hilfe anderer benötigen und das Kopfgeld senken – mittels geschickten Kartenausspielens und dem Zusammenspiel mit anderen Karten ist es möglich, diese Minuspunkte dem Gegner unterzujubeln und seinen Ablagestapel punktetechnisch aufzuwerten.

Unterschiedliche Symbole und Hintergrundfarben auf sämtlichen Karten kennzeichnen dabei die Aktionen, bestimmen darüber ob sie nur im eigenen Zug oder jederzeit, womöglich sogar nur als Konter auf einen Angriff ausgespielt werden können.

Spätestens wenn der Nachziehstapel aufgebraucht ist und keine Karte mehr gezogen werden kann, endet das Spiel und es wird das Kopfgeld gezählt. Wer zu diesem Zeitpunkt am geschicktesten sein Kopfgeld erhöht und das der Gegner gesenkt hat, geht als zukünftiger Königsmörder aus dem Spiel hervor. In rund 30min spielt sich das Spiel und ist auf 3 bis 6 Spieler angelegt – erst in der jetzigen Fassung samt Erweiterung kamen der fünfte und sechste Spieler hinzu. Das Spiel zu zweit ist zwar auch möglich, ist allerdings deutlich übersichtlicher und etwas witzloser. Gerade im Spiel mit mehreren eröffnet sich das grandiose Chaos und die Fähigkeit einzuschätzen, welcher Gegner im Moment am lukrativsten aus dem Weg zu räumen wäre. Das bisherige Kopfgeld des getöteten Gegners wird seinem eigenen gutgeschrieben.

20161105_141434Angenehm klein kommt dieses Kartenspiel daher und erinnert an klassische Kartenspiele-Formate – dabei ist die Spieleschachtel randvoll. 96 Spielkarten welche verschiedene Charaktere, Lebenspunktanzeiger und die verschiedenen Taten darstellen sind alle von Jarno Banas´ Hand illustriert. Dazu kommt ein Cold Blood Bierdeckel.

Die Karten tragen so herrliche Titel wie „Messerstich“, „Brunnen vergiften“, „Zivilisten ermorden“ oder „Gräber plündern“. Die dazugehörigen Illustrationen sind zwar minimalistisch aber liebevoll gezeichnet, und sorgen vorallem im befreundeten Umfeld des Autoren für Lacher – ein immer wiederkehrender Charakter entspringt dabei dem Gewinner eines Cold Blood-Turniers.

Nach über 100 Spielerunden in verschiedensten Gruppen mit seinen Prototypen haben nämlich auch diese schon stattgefunden. Gerade im studentischen Umfeld oder beim gemütlichen Kneipenabend in seinen Lieblings-Pubs hat sich eine kleine und treue Fangemeinde etabliert die sich bei der gemütlichen Messerstecherei amüsiert. Aber klar, wenn man im Pub sitzt und es kommen Leute dazu die sich zwar mit Spielen auskennen, aber noch nie von Cold Blood gehört haben und dennoch von Anfang an begeistert sind, dann hat man Grund stolz zu sein, lässt Jarno durchblicken. Vorallem wenn man dann verrät dass es sein eigenes Spiel ist.

Die Idee zu diesem Spiel kam Jarno Banas bereits vor sechs Jahren – aus dem Jahre 2010 stammen die ersten Entwürfe und Zeichnungen, die der Student stolz noch immer vorzeigen kann – Etliche Überarbeitungen, sowohl was verschiedene grafische Entwicklungsschritte als auch was das Regelwerk und das Balancing angeht, hat Cold Blood seitdem durchgemacht. In den letzten 2 bis 3 Jahren hat er jedoch nochmal intensiver begonnen, Stück für Stück weiterzuarbeiten. Aktuell befindet sich der Prototyp in seiner Version 0.7, die aktuell bei ihm zu bestellen ist – einige Vergleichsfotos habe ich natürlich mitgebracht.

Final jedoch ist das Spiel natürlich noch lange nicht, gerade das Design der Karten hat für mich noch Potential nach oben, genauso die Anleitung, welche komplett auf Grafiken, Bilder oder die Symbole auf den Spielkarten verzichtet. Außerdem soll laut Jarno Banas noch mehr Wert auf den geschichtlichen Hintergrund der Charaktere, Rollenspielelemente und eine Story zu den Charakteren gelegt werden. Diese Wünsche gab es aus der Community, sie existieren auch schon in Jarno´s Kopf, tauchen aber im Spiel selbst noch nicht auf – mit Betonung auf dem NOCH.

Ich freue mich jedoch drauf, dieses Projekt auch in Zukunft weiter verfolgen zu können – gerade wenn man so ambitionierte Spiele aus dem lokalen Umfeld zu einem so frühen Zeitpunkt beobachten kann. Ich fühlte mich angenehm unterhalten mit Cold Blood, es bietet mehrere Siegbedingungen, lässt einem bei der Wahl seiner eigenen Spielweise damit etwas Offenheit und überzeugt vorallem durch die Detailverliebtheit des Autors zu seinem Produkt. Wer mit mir zusammen Cold Blood in Zukunft im Auge behalten möchte ist natürlich dazu eingeladen, der dazugehörigen Facebookseite https://www.facebook.com/ColdBloodKartenspiel einen Besuch und ein Gefällt mir zu hinterlassen.

Cold Blood – Tod und Spiele
von Jarno Banas (Prototyp/Eigenveröffentlichung)
3 – 6 Sp. Dauer: ca. 30 Minuten

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https://www.facebook.com/ColdBloodKartenspiel
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