„Ein Spieleabend ist gut wenn er Spaß macht – egal wie“ – Nico Wichert (SpieletreffEssen) im Interview

p1050935-kopieEs gibt Zombiespiele für leidenschaftliche Verräter, Weltraumspiele für Familien, deprimierende Anti-Kriegsspiele oder kooperative Kinderspiele in denen es darum geht, einen Löwen zum Friseur zu begleiten während seine Mähne immer länger wird. Gesellschaftsspiele sind nicht mehr nur unterhaltsame Karten- und Würfelspiele.

Die Titel werden aktueller und die Themen zeitgemäßer, die Grafiken erfrischender und die Inhalte skuriler. Das Brettspiel begeistert somit immer mehr auch oftmals junge Nicht-Spieler. Diese finden über populäre Themen Zugang in die Welt des Gesellschaftsspiels. Zombies oder Lizenzspiele zu Filmen wie Star Wars gehen halt immer. „Jedes Spiel hat auch immer sein Zielpublikum und für jeden gibt es etwas, was ihm gefällt“, sagt Nico Wichert. Er studiert Technik und katholische Theologie auf Lehramt („Ja, das passt wunderbar zusammen“) an der Universität Duisburg/Essen, ist 25 Jahre alt und wenn man behauptet er spielt gerne, wäre dass eine maßlose Untertreibung.

Jeder der ab und zu auf Spieleveranstaltungen im Essener Umland, dem Essener Spieleherbst oder der Spielemesse unterwegs ist, kennt den „kleinen Mann mit Hut“ – er spielt leidenschaftlich und organisiert über das Portal „Spontacts.com sowie seiner Facebookseite „Gesellschaftsspieletreff“ Spieleabende für jeden.

Anlässlich seines „Vorweihnachtlichen Spieletreffs“ am 18. Dezember im Unperfekthaus hab ich mich zum Interview mit ihm getroffen um mehr über ihn, aber vorallem über seine Hobbies zu erfahren.

Hallo Nico, dein größtes Hobby ist neben dem Brettspiel auch noch die Fotografie.
Nico Wichert: Es ist neben der Fotografie sowie dem generellen Technik-Bereich eines meiner größten Hobbys, ja. Fotografieren tu ich seit knapp 9 Jahren, Spielen tue ich seit meiner Geburt. Beides zu kombinieren, wie im Spielkinder.Essen-Blog, ist aber nichts für mich. Ich liebe die Arbeit mit Menschen.

Im Urlaub mit den Eltern war früher schon immer eine Spielesammlung mit dabei und mit 9 oder 10 war ich dann auch das erste mal auf der Spielemesse – seitdem bin ich auch eigentlich jedes Jahr da.

Dieses Jahr wahrscheinlich auch.
Tatsächlich war ich dieses Jahr alle vier Besuchertage da, ja. Im Gegensatz zu einigen vergangenen Jahren aber mal ausnahmsweise nicht als Helfer für einen Verlag oder mit Presseakkreditierung für das Campus-Radio. Da ist man sonst teilweise auch mal von montags an vor Ort gewesen – bis dann Donnerstag erst die Messe öffnete.

Die Spielemesse macht die Stadt Essen ja auch so ein bisschen zu einer Besonderheit für den Bereich Brettspiel. In vielen Brettspielen finden sich als eine Art Easter-Egg Anspielungen auf die Stadt Essen.
Jein. Ich find jetzt nicht dass gerade die Spielemesse diese Stadt zu etwas Besonderem macht. Diese Easter-Eggs sind jetzt ja auch hauptsächlich erst bei neueren Spieletiteln so, jetzt wo sich die Messe in den vergangen Jahren wieder gemacht hat. Ich habe ja noch die Glanzzeiten als kleines Kind mitbekommen, aber auch der rapide Abfall und die Tiefzeiten der Spielemesse, als überlegt wurde sie nicht mehr in Essen stattfinden zu lassen. Jetzt seit 4 bis 5 Jahren gibt es ja wieder einen richtigen Aufschwung. Die Messe bricht jährlich neue Rekorde und ist dieses Jahr auch wieder die weltgrößte Brettspielemesse.

Gibt es denn etwas anderes was Essen für dich als Einheimischen und gebürtigen Essener besonders macht?
Das sind ganz klar die Leute. Wir sind aussem Pott, wir sind Pottsäue , dat is einfach so, ne. Die Pottmentalität ist auf jedenfall besonders. Egal wo man ist, der Pott ist der Pott, man kennt ihn im In- und im Ausland – die Mentalität der Leute ist einfach super. Deswegen wohne ich hier auch einfach gerne, man ist überall super zentral, alles ist irgendwie erreichbar. Man lebt miteinander, jeder kennt sich. Für mich ist der Pott wie eine große Stadt.

Mit deiner Facebookseite „Gesellschaftsspieltreff“ und deinen organisierten Spieleabenden führst du einen weiteren Treffpunkt ein, Leute in und um Essen zum Spielen zu bringen.
Genau. Ich habe dass vor einigen Jahren zur besseren Koordination schon einmal angestoßen nachdem mich einige Leuten aus dem Umfeld der Uni darum gebeten haben. Das ist dann aber leider erstmal wieder aus zeitlichen Gründen eingeschlafen und auf Eis gelegt worden – irgendwann ging auch das Studium massiv vor. Jetzt will ich das ganze wieder reaktivieren, die Facebookseite hat jetzt schon einige Leute erreicht, zum nächsten geplanten Spieleabend im Essener Unperfekthaus rechne ich mit 30 bis 50 Interessenten und Teilnehmern – es läuft also wieder an.

Dieses Wachstum ergänzt sich ja auch wieder mit dem Thema Spielemesse. Warum spielen wir statistisch gesehen heutzutage wieder mehr Brettspiele als früher? Woher denkst du kommt dieser Aufschwung?
Das ist eine interessante Frage die ich mir tatsächlich auch schon häufiger gestellt habe. Ich denke mal es hat tatsächlich was mit dieser raschen Modernisierung zu tun. Vor allem wenn man sich mal anguckt, wer alles spielt.

Natürlich hat man viele Spieler im sogenannten „mittleren Alter“, gerade bei Spieletreffen. Aber wir haben mittlerweile auch sehr viele Spieler der Generation 16 +. Das Publikum ist sehr breit gefächert, was auch an der Vielfalt liegt. Die Spieleverlage und Autoren haben es sich mittlerweile auch als Ziel gesetzt dieses „neue Publikum“ anzusprechen.

Die Brettspiele konkurrieren halt mit den Videospielen und den anderen modernen Medien. Ein Drahtseilakt, der aber echt gut zu gelingen scheint, wenn man sich die Spiele heute so anguckt, das Zombie-Thema welches ja auch im Fernsehen super ankommt als ein Beispiel. Dazu die ganzen Lizenz-Produkte wie aktuell bei Carcassone – Star Wars,.

Auch wenn man von den Lizenzspielen halten mag was man will, aber sie erfüllen ihren Zweck und bringen die Leute dazu sich das Spiel anzugucken, gefallen dran zu finden und dann fangen sie an zu spielen.

Aufpassen muss man nur wenn die Qualität dadurch leidet, Monopoly wäre da so ein Beispiel. Da gibt es ja wirklich zu jedem Thema auch seine eigene billigste Ausgabe.

Du hattest gerade als Stichwort „Aktuelle Themen“ angesprochen. Was wären denn so aktuelle Titel die bei dir angesagt sind?
Vorallem so lustige Partyspiele, die aber auch nicht zu simpel sind. „Hoch die Becher“ (Horrible Games) wäre ein Beispiel, welches dieses Jahr auf der Spielemesse vorgestellt wurde. Ein super lustiges Spiel, da man immer wieder versucht sich gegenseitig Gift unterzujubeln und die anderen Spieler auszuschalten.

Ein anderes Beispiel ist „Happy Salmon“, ein simples und einfaches, man mag meinen, etwas doofes Kartenspiel. Die Erklärung dauert keine anderthalb Minuten und das Spiel spielt sich in 30 bis 60 Sekunden. Es ist lustig, es macht Spaß, es ist laut, sorgt für Chaos und für ein Durcheinander – und an der Uni haben wir dafür Ärger bekommen weil wir beim Spieleabend zu laut wurden. Aber das gehört dazu, ein Spieleabend ist dann gut wenn ein Spiel Spaß macht und man dafür Resonanz kriegt – egal wie.

Wie groß ist dein Fundus überhaupt aus dem du Spiele aussuchst? Wie groß ist deine Sammlung und auf wieviele Spiele hast du Zugriff?
Mein persönlicher Fundus beläuft sich auf 196 namhafte Titel die ich jetzt gerade hier vor Ort zeigen könnte plus eine handvoll die gerade verliehen sind. Im Zugriff habe ich noch über 300 weitere Spiele, vorallem aus der sehr ausgeprägten Spielesammlung der „Taverne zu den vier Winden“ in Bochum oder zu den Leuten des Hippodice, zu denen ich gute Kontakte pflege.

15182388_10206057307152000_1825204131_oGute Kontakte gibt es außerdem zu Boris Rosskotten, dem Geschäftsführer des traditionellen Handelshauses Rosskotten in Duisburg, von dem ich mir auch aus knapp 300 Titeln welche ausleihen könnte.

Unter sovielen Spielen gibt es doch bestimmt auch welche die du überhaupt nicht magst oder empfehlen kannst.
„Nicht empfehlen“ würde ich nie sagen, da jedes Spiel auch immer sein Zielpublikum hat und jemandem, dem es gefällt. Was ich persönlich nicht mehr spielen will ist Carcassone. ich hab es damals ein paar mal gespielt, aber das war mir immer zu trist.

Was kann man aus deinen Spieleabenden persönlich für sich mitnehmen?
Es steht eine breite Auswahl meiner Spiele parat die von jedem gespielt werden können und die ich auch alle erklären kann. Die Erwartung die man im Idealfall haben kann: Man kommt hin, sucht sich irgendein Spiel aus dass einem gefällt und man wird Leute finden die es auch spielen wollen.

Ich selber spiele nicht so viel auf meinen größeren Spieleabenden, da ich mehr Kontakt mit den Leuten suche und ein bisschen den Erklärbär mache. Mein eigener Anspruch an mich ist, dass ich meine Veranstaltung im Rahmen halte und die Leute ihren Spaß haben.

Durch die Spieleabende kennt dich in Essen auch fast jeder, oder?
Ich würde tatsächlich auch über die Stadtgrenzen hinaus gehen. Ich bin im positiven Sinne kein unbeschriebenes Blatt im Ruhrgebiet. Auch die Freunde, die mit mir unterwegs sind sagen manchmal es wäre etwas anstrengend mit mir, weil ich tatsächlich soviel gegrüßt werde und zurück grüße. Ein kurzer Einkaufsbummel durch die Stadt kann aufgrund dieser Begebenheiten auch mal etwas länger dauern kann.

Ich bin ein sehr markanter Mensch und man erkennt mich immer wieder. Sei es mit meinem Hut oder mit der Kamera, es gibt dazu viele typische Charakteristiken die für mich zutreffend sind. „Der kleine Mann mit Hut“ ist eine davon.

Wo trifft man „den kleinen Mann mit Hut“ sonst denn noch zum Spielen? Gibt es in Essen noch andere Anlaufpunkte?
Im Unperfekthaus bin ich recht viel. Dieses ist eine große Anlaufstelle, in dem es viele verschiedene Spieletreffs gibt – neben meinem sind es wohl so 15 verschiedene weitere, wo man mich auch desöfteren sieht. Dann in der „Taverne zu den vier Winden“ in Bochum oder bei Hippodice oder halt bei mir zuhause. Wenn ich mitkriege dass irgendwo was los ist bin ich aber meistens eigentlich auch da.

In Essen selbst haben wir natürlich das „Feli´s“, eine kleine Studentenkneipe in der Stadt, welche es jetzt noch nicht so lange gibt aber auch Spieletreffs anbietet. Dann weiß ich dass es in Mülheim, direkt an der Essener Stadtgrenze, die Kneipe von einem Kollegen gibt und die jetzt auch regelmäßige Spieleabende machen wollen. Ansonsten haben wir den Bahnhof Süd hier in Essen, in dem jetzt ganz neu regelmäßig ein Spieletreff stattfinden soll.

Du hast gerade das Unperfekthaus angesprochen, in dem deine Spieleveranstaltungen stattfinden sollen. Kannst du kurz zusammenfassen was es damit auf sich hat?
Das Unperfekthaus ist ein Kreativheim. Es ist ein Haus welches für jeden offen ist, man zahlt einmalig Eintritt, hat dafür aber auch sämtliche Heiß- und Kaltgetränke mit im Preis drin und den freien Zugang zum ganzen Haus.

Im UPH sind Künstler, Maler, Maurer, Schreiner – alle möglichen kreativen Leute sind vertreten und haben da teilweise ihre Ateliers, in die man reingehen und den Künstlern bei der Arbeit zugucken kann.

Es gibt Gemeinschaftsräume, Fernsehräume, es gibt Internet und Spiele die man sich ausleihen kann. Das Unperfekthaus ist ein Treffpunkt für jeden, der sich mit einem der Dinge auseinandersetzen möchte. Man kann auch einfach nur sitzen und trinken und dabei Fernseh gucken, man kann dort lernen oder spielen. Irgendwas ist immer dort los.

Und der der Spieleautor Matthias Cramer hat dort auch ganz neu einen monatlichen Prototypenabend.

Nun folgt am Sonntag, den 18. Dezember 2016 also auch zum letzten Mal in diesem Jahr der Spieletreff im Unperfekthaus. Losgehen soll es ab 12 Uhr. Weitere Informationen wie eine komplette Auflistung aller Spiele von Nico findet ihr unter:

Facebook: https://www.facebook.com/SpieletreffEssen/

http://www.unperfekthaus.de/projekte/spielen-fuer-studenten-und-interessenten

Spontacts: Nico Wichert

https://www.gesellschaftsspieler-gesucht.de/profil/9bc6503e-b3f9-428b-a42b-9d02eda39926

 

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