„Arler Erde“ v. Uwe Rosenberg (Feuerland Spiele) – eine Spielevorstellung im Ostfrieslandurlaub

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Stur und eigensinnig, etwas kühl und zurückhaltend – also friesisch herb, wie die Werbung es ausdrückt, seien unsere Nordlichter. Ostfriesland sei ein rauer Küstenstrich, der Witterung am Meer und mit Ebbe und Flut den Gezeiten ausgesetzt, heißt es. Eindrücke, die ich so unterschreiben kann. Seit frühester Kindheit war der Nordsee gemeinsam mit meinen Eltern der alljährliche Sommerurlaub gewidmet. Gerade Aurich, die zweitgrößte ostfriesische Stadt, hatte es meiner Familie angetan. Irgendwann war die Zeit der Familienurlaube vorbei, ich verließ das Elternhaus und ging eigene Wege – zugegeben reichte es auch, nach 15 Besuchen im fernen Niedersachsen.

Irgendwann sieht man sich allerdings immer wieder, so kam es dass ich dieses Jahr meine Freundin davon überzeugen konnte, unseren ersten gemeinsamen Urlaub an den Stätten meiner Kindheit zu verbringen. Ich wollte nach Aurich, wollte Emden, Dornum und wollte die Küsten wiedersehen, die mich durch die Jugend führten. Und vorallem wollte ich nach Arle. Arle, eine 1000 Einwohner Gemeinde wenige Kilometer von unserem Urlaubsort entfernt, die mich in ihren Bann gezogen hatte, bevor ich sie überhaupt jemals gesehen hatte. Eine Gemeinde, die autobiographisch mit einem der bekanntesten deutschen Spieleautoren verbunden ist und von diesem auch in ein auf sovielen Ebenen beeindruckenden Spiel verewigt wurde: Willkommen auf Arler Erde, Willkommen in Ostfriesland, Uwe Rosenberg`s Heimat.

Es kommt recht selten vor, dass Spieleautoren so persönliche Eindrücke in ihre Spiele einfließen lassen wie es Uwe Rosenberg in seinem Machwerk Arler Erde gelungen ist. Rosenberg kommt aus Aurich, 20km von der Gemeinde Arle entfernt, sein Eltern heirateten hier und große Teile seiner Familie lassen sich auf dieses kleine Dorf zurückführen – der Hof von Rosenbergs Ururgroßvater steht heute noch.

Arler Erde ist ein Worker Placement-Spiel für 1 bis 2 Spieler. Es versetzt uns ins Arle der 1800er Jahre und lässt uns diese wunderbar-wandelbare Zeit des Umschwungs miterleben. Zu einer Zeit, als gerade die Region durch das Königreich Holland besetzt wurde schaffte es das Dorf, sich durch den Abbau von Torf und durch den Handel mit Tierprodukten zu versorgen. Demtentsprechend betitelt sind auch die Aktionen, die es dem Spieler ermöglichen, sein Spiel zu gestalten.

Unterteilt in Winter- und Sommerhalbjahre bieten sich je 15 Aktionen, die sofort ihre Ergebnisse erzielen. Auf dem Spielplan zeigen sich somit verschiedene Betätigungsfelder, betitelt mit typischen Berufsbezeichnungen der damaligen Zeit, Von diesen Aktionsfeldern hat sich der Spieler für je 4 zu entscheiden:

Bemerkenswert: Ganz gleich ob der Spieler sich dafür entscheidet seine Familienmitglieder töpfern gehen oder Torf stechen zu lassen, ob er sich für das Weben, das Backen, das Holzhacken oder das Fischen entscheidet oder ob er das Arler Umland bereist. Jedes noch so kleine Detail des Spiels und seine Zusammenhänge zum frühzeitlichen Arle hat Uwe Rosenberg in einer dem Spiel beiliegenden Broschüre genauestens erklärt. So lernt der geneigte Spieler nebenbei noch etwas die Geschichte Ostfrieslands kennen, warum das Leder zu gerben, der Viehhandel und der Deichbau so wichtig gewesen sind.

Jede dieser Aktionen erzeugen Waren, Roh- und Nährstoffe, welche weiter verarbeitet oder in die Nachbarstädte wie Norden, Dornum, Esens oder Leer transportiert werden können. Auch diese kommen im vielseitigen Heft „Skurril wie ein Ostfriesenwitz“ mit ihren Hintergründen vor.

Bei jeder Aktion ist, vorallem durch die überzeugende Grafik von Dennis Lohhausen, von vornherein klar, welchen Effekt sie erzeugt. Eindeutige Illustrationen, grafische Elemente die auf einen Blick Informationen wie Kosten und Nutzen preisgeben und eine sehr aufgeräumte, trotzdem aber schön anzusehende Gesamtoptik. Wer einen Deichvoigt beauftragt um seinen Dach umzuschichten, bekommt seinen Deich, wer einen Bauarbeiter beauftragt um ein Gebäude zu bauen sieht was es ihn kosten wird und was er bekommt. Und, kurz gesagt: Alles was man bekommen und erreichen kann, bringt einem Siegpunkte.

Die Faktoren Glück oder Zufall spielen demnach kaum eine Rolle. Höchstens die Auswahl zur Verfügung stehender und baubarer Gebäude variiert von Beginn an zu einem geringen Teil – diese Varianz ist als Spieler umso wichtiger, da man als Spieler maßgeblich anhand dieser Auswahl seine Strategie bestimmen sollte. Ansonsten ist alles eine Sache der Planung und richtigen Strategie. Auch im Zweispielerspiel hat jeder Spieler die identischen Voraussetzungen.

Man mag von Uwe Rosenberg-Spielen halten was man will. Zu schwer, zu kopflastig und komplex. Jedem der auf diese Spiele steht, sollte Arler Erde unbedingt empfohlen sein. Ich habe selten ein Werk erlebt, welches so sehr vor Detailverliebtheit, privaten Einblicken und geschichtlichen Fakten strotzt wie dieser Titel. Gerade mit meinen eigenen, frischen Eindrücken von Arle und dem ostfriesischen Plattland weiß mich das Spiel immer wieder zu überzeugen. Bisher erst im Solospiel gespielt – mit 75 Punkten noch eher schlecht als recht – bietet es dennoch einen enormen Reiz, immer wieder aufs Neue an entscheidenden Stellschrauben zu drehen.

Arler Erde
von Uwe Rosenberg (Feuerland Spiele)
1 – 2 Sp. ab 14 J.; Dauer: 60 Minuten/Spieler

„Arler Erde“ ist u.a. erhältlich in Essen bei:

AllGames4You:
http://www.allgames4you.de/epages/AllGames4you.sf/de_DE/?ObjectID=23350993

Hintergrund:

In meinem diesjährigen Sommerurlaub trieb es mich in das im Spiel erwähnte Arle – gerade die die Spielbox prägende Arler Kirche hatte es mir angetan, weswegen ich mir unbedingt mein Erinnerungsfoto von dieser schnappen wollte. Auf Basis des Fotos bastelte ich dann das Titelbild des Spieles nach. Auch alle anderen hier verwendeten Fotos habe ich in Arle geschossen. Arle selbst Arle ist ein Ortsteil der Gemeinde Großheide im ostfriesischen Landkreis Aurich in Niedersachsen.Die früher selbständige Gemeinde Arle wurde mit dem Gemeindereformgesetz vom 1. Juli 1972 in die Gemeinde Großheide eingemeindet. Das Gemeindegebiet umfasst 1228 Hektar und beherbergt etwa 1100 Einwohner, die dargestellte Kirche – die St. Bonifazius-Kirche, wurde zu Beginn des 12. Jahrhunderts erbaut.

Aus meinem Privatarchiv stammen auch noch folgende Fotos aus Aurich – der Geburtsstadt von Uwe Rosenberg:

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1 Kommentar zu „„Arler Erde“ v. Uwe Rosenberg (Feuerland Spiele) – eine Spielevorstellung im Ostfrieslandurlaub“

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