Die Top 11 der besten deutschen Spieleillustratoren (und Klemens Franz)

Wer mag einem so unbestrittenen Künstler wie dem guten alten Vincent van Gogh widersprechen, der Zeit seines Lebens prophezeite dass die Zeit kommen werde, „da die Menschen erkennen, dass Bilder mehr wert sind als das Geld für die Farbe“. Auch im Bereich der Brettspiele ist es heutzutage wertvoller denn je zuvor, dass die Spiele ansprechend illustriert sind, dass sich Bilder und Eindrücke manifestieren und gewisse Wiedererkennungswerte besitzen.

Dass, was da tagtäglich auf unseren Spieltischen landet sind Kunstwerke, der Illustrator hat die immense Verantwortung, die Ideen des Autoren auch ansprechend zu Papier zu bringen. Das Spiel ist nichts wert ohne die Arbeit des Illustrators, welche wiederrum nichts wert ohne das Spiel wäre.

Diese Bedeutung der grafischen Entwürfe zeigt sich dann letztendlich auch dadurch, dass „Spieleillustrator“ für einige ein eigener Beruf geworden ist und es mit dem Graf Ludo einen eigenen Spielepreis für Illustrationen gibt.

Einige der der bekanntesten Illustratoren gelten im Bereich der Brettspiele gar als Verkaufsargument. Ich, von katastrophalem eigenen Zeichentalent gesegnet, möchte heute einmal meine Top 11 der deutschen Spieleillustratoren + Klemens Franz 12 vorstellen – was heute ausnahmsweise auch mal die aus dem deutschsprachigen Ausland beinhaltet.

12. Klemens Franz

Der Haus- und Hofzeichner des Lookout Spiele Verlages hat in den vergangenen Jahren etliche Top-Spiele illustriert. Aktuell prämierte Spiele, Klassiker, große Schachteln, kleine Schachteln – nichts ist vor ihm sicher. Und doch werde ich mit seinen Illustrationen einfach nicht warm. Was mich bei Agricola einst noch fasziniert hat, hat sich mittlerweile  abgenutzt. Ich habe bei nahezu allen Klemens Franz-Zeichnungen das Gefühl, dass er sich selbst kopiert. Sie ähneln sich alle einfach zu gravierend und weisen deutliche Schwächen gerade bei den Menschenzeichnungen auf. Tolle Spiele, maue Verpackung. Letzter Platz für den Österreicher.

11. Oliver Schlemmer

Fresco, Escape oder Kingdom Builder – allesamt Spiele die zu ihrer Zeit aufregend und stimmungsvoll waren. Die Illustrationen von Oliver Schlemmer sind zwar passend, teilten die Eindrücke aus den Spielen allerdings nicht so. Altbackene Zeichnungen, welche keinen besonderen Charme mehr ausstrahlen.

10. Marc Magielsky

Mit Marc Magielsky möchte ich meine Aufzählung fortführen, auch wenn dieser eher in der Animation als der Illustration beheimatet ist. Neben der Gestaltung von Brettspielen wie Jorvik steht sein Name noch mehr für beeindruckende 3D-Animationen und Zeichentrick – was man an „Dolmen“ ganz gut beobachten kann. Leider zu wenig für einen höher angesiedelten Platz.

9. Franz Vohwinkel

Einer der wenigen Illustratoren, die sich weltweit einen Namen gemacht haben. Neben von ihm gestalteten Klassikern wie Puerto Rico und Die Paläste von Carrara ist er der einzige deutsche Künstler, der Karten für Magic: The Gathering illustrierten durfte. Mittlerweile wirken viele der Illustrationen von Franz Vohwinkel auf mich allerdings stark in die Jahre gekommen.

8. Rolf Vogt

Quietschbunt kommen sie oft daher, die Zeichnungen von Rolf Vogt. Bekannt für Kinderspielillustrationen heimsten diese einige Titel und Nominierungen ein. Was immer wieder auffällt sind sein Mut zu grellen Farben und kindgerechte Bilder.

7. Alexander Jung

Der Illustrator bescherrte uns schöne Bilder wie zu den Spielen Animals on Board oder Beasty Bar. Launische Zeichnungen von tollen Tieren welche mir ganz gut gefallen.

6. Claus Stephan

Wo Licht ist, ist auch viel Schatten. Gerade die Bilder, auf denen Claus Stephan darauf verzichtet, besonders modern und poppig zu wirken, gefallen mir von seinen Werken viel mehr. So liebe ich Cover wie zu Kerale, Russian Railroads oder Cacao mit ihren sehr gedeckten Farbtönen, wogegen Race for the Galaxy oder Loch Ness überhaupt nicht meinen Geschmack treffen. Ein verdienter Mittelfeldplatz.

5. Andreas Resch

Great Western Trail ist eine Bombe, Lorenzo il Magnifico ein ungeheuer vertracktes Bild und Istanbul sieht auch noch nett aus. Der Österreicher Andreas Resch weiß sehr zu gefallen und landet auf einem sicheren fünften Platz – obwohl Mombasas Titelbild ein Griff ins Klo ist und bleiben wird (dieses zeige ich auch extra nicht! Googelt halt selbst).

4. Dennis Lohausen

Der Illustrator von so Spielen wie Auf den Spuren von Marco Polo, Glück auf! oder den Village-Spielen weiß es gerade bei einem historischem Hintergrund, sein Können einzusetzen. Zu dieser Art von Spiele passt sein Zeichenstil nämlich hevorragend, welcher an die Kunstform des Kupferstichs erinnert.

3. Michael Menzel

Spiele wie Die Säulen der Erde, Stone Age oder Die Legenden von Andor teilen sich einen gewissen Zeichenstil – wirken dabei aber niemals wie geklaut sondern wie stimmige Weiterentwicklungen und fortlaufende Perfektionierungen voneinander. Wunderschöne Illustrationen, seien es nun detailverliebte Karten oder die Charaktere, prägen diese Spiele. Und doch ist Michael Menzel selbst dann noch überragend, wenn er nicht versucht Michael Menzel zu sein. Dies beweisen seine Grafiken zu einem Spiel wie „Leo muss zum Friseur“ – die Bronzemedaille geht an den Tausendsassa Michael Menzel.

2. Johannes Sich

Womöglich überraschend für einige, da das Schaffen von Johannes Sich noch nicht den größten Umfang besitzt. Dennoch sind die Artworks welche ich von ihm kennen lernen durfte auf jedenfall unter jenigen, die mir eindrucksvoll in Erinnerung bleiben. Sowohl die Gestaltung seines eigenen, optisch an die Videospielreihe GTA erinnernden, Mafia-Kartenspiels „La Cosa Nostra“ als auch die Designs von Thomas Spitzer´s Haspelknecht und dessen Ruhrtal-Erweiterung überzeugen mich durch ihre unverwechselbare Art. Johannes Sich´s Charaktere besitzen eine grotesk verzerrte oder karikaturhafte Erscheinung, ein harter Zeichenstil dominiert. Ich hoffe sehr darauf dass noch einige Spiele von ihm illustriert werden. Platz 2 für Johnnes Sich – welcher ursprünglich aus dem selben Kuhkaff kommt wie ich.

1. Harald Lieske

Mein Lieblings-Illustrator und absoluter Spitzenreiter dieser Aufzählung. Bei den Spielen die Harald Lieske bereits illustrierte stellt sich mir die Frage, was dieser bitteschön nicht illustrieren kann. Natürlich fallen vornehmlich die vielen grün-gefärbten Spiele für Friedemann Friese auf. Vom herrlich abgedrehten Fabelsaft  bis zu Kohle & Kolonie, zu dem die Mischung aus Schraffur und Punktier passt, über La Granja in seiner getupften Optik. Man beachte auch Kraftwagen.. Von allen Illustratoren welche ich mir angesehen habe reicht keiner an Harald Lieske heran – deswegen ein verdienter Platz 1.

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4 Kommentare zu „Die Top 11 der besten deutschen Spieleillustratoren (und Klemens Franz)“

  1. Danke für diese schöne Liste. Die Illustratoren haben ja zum Glück schon mehr Aufmerksamkeit bekommen, aber die meisten normalen Brettspieler schauen dennoch nicht so wirklich darauf, wer ein Spiel gestaltet hat. Dabei macht das bei Brettspielen so viel aus, wie ich finde.

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    1. Hallo Peer,

      Ich denke leider allerdings auch dass die Illustratoren noch lange nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen wie sie eigentlich verdienen. Es werden immer die selben drei, vier großen gebucht bzw erwähnt und der Rest bleibt unter dem Radar. Noch dazu wäre es auch schön wenn Verlage da mehr Mut haben würden, vielleicht auch mal ganz neue Namen auszuprobieren.

      Markus

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    1. Drei davon wären auf den Plätzen dahinter gelandet. Ich hätte noch ein Dutzend anderer Illustratoren zu nennen gehabt, welche allerdings, rein subjektiv, nicht zu den liebsten 11 gehören – und irgendwo musste ich ja einem Schnitt machen. Und Vincent Dutrait ist Franzose 🙂

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