Thomas Fedder (NRW Spielt/Ratinger Spieletage) im Interview

thomasfedder
Nach einem langen Arbeitstag kommt Thomas Fedder gerne nach Hause, setzt sich an seinen Tisch und spielt – aktuell zB sein Lieblingsspiel „Haspelknecht“ von Thomas Spitzer. Im dritten Teil der sogenannten Kohle-Trilogie geht es um das Organisieren der ersten Kohlebergwerke im Ruhrgebiet des 16. Jahrhunderts. Organisieren, das kann Thomas Fedder gut. Sein Arbeitstag besteht zur Zeit vornehmlich aus nichts anderem. Denn Thomas Fedder arbeitet bei der Stadt Ratingen und ist der Chef-Organisator der „8. Ratinger Spieletage“, welche dieses Jahr am 8. und 9. April stattfinden. Ich traf mich mit ihm am heimischen Spieletisch um ihn zum Interview zu bitten. Natürlich bei einer Partie „Haspelknecht“.

Spielkinder.Essen: Hallo Thomas, vielen Dank für die Möglichkeit eines Interviews. Die Ratinger Spieletage stehen jetzt so langsam vor der Tür. Wann immer es um die Berichterstattung über diese Veranstaltung geht, stehst du als Chef-Organisator im Mittelpunkt, von daher freut es mich dich ein wenig über Ratingen ausquetschen zu dürfen.

In diesem Jahr finden die Spieletage bereits zum 8. mal statt. Was war 2010 der ausschlaggebende Anlass, eine Messeveranstaltung in Ratingen auszurichten? Deren Geschichte ist ja maßgeblich mit deinem Namen verbunden.

Thomas Fedder: Bis zum Jahr 2008 gab es die Vorgängerveranstaltung „Spieleausstellung im Haus Turm“, bei der in erster Linie Spiele für Familien und Kinder vorgestellt wurden.

Bei dieser hatte ich die letzten Jahre Spiele für den Kosmos Verlag sowie meine Catan Sammlung vorgestellt. Dabei entstand zusammen mit meinem Co-Organisator Jörg Preinfalck die Idee, diese Veranstaltung auch für Gelegenheits- und Vielspieler zu erweitern. Daraus sind dann die Ratinger Spieletage entstanden.

Spielkinder.Essen: Seien es Spiele-Messen und andere -Veranstaltungen, die aktive Blogger- und Spielerszene und die Verkäufe von Spielen. In den vergangenen Jahren sind überall große Wachstüme der Zahlen zu verzeichnen. Von was für einer Größe sprechen wir bei den Spieletagen – und wie haben sich diese Zahlen in den letzten Jahren entwickelt? 

dumeklemmerhalleThomas Fedder: Wir nutzen die insgesamt ca. 1800qm der Stadthalle komplett aus. Bei der ersten Veranstaltung 2010 waren es schon 1.600 Besucherinnen und Besucher, 2016 hatten wir über 2.600 Besucherinnen und Besucher.

Auch die Anzahl der Aussteller hat sich fast verdoppelt: von 36 Ausstellern im Jahr 2010 sind wir nun bei über 60 Ausstellern angelangt – und damit komplett ausgebucht. Wir könnten zwar theoretisch auf freie Spieltische verzichten und somit die Anzahl an Ausstellern noch erhöhen. Jedoch würde dabei der Charme unserer Veranstaltung zerstört werden. Denn im Gegensatz zur Spiel gibt es bei uns auch viel Platz zum Spielen außerhalb der Verlagsstände.

Spielkinder.Essen: Was die Aussteller und Spieleautoren angeht, hält sich Ratingen ja im vergleichsweise durchaus übersichtlichen Bereich und bietet dennoch einen echt ausführlichen Überblick über die deutsche Spielelandschaft. Wie bewirbt man sich als Aussteller und welche Kriterien gibt es?

Thomas Fedder: Im Schwerpunkt sind wir eine Messe für Brett- und Gesellschaftsspiele. Zwar hatten wir zu Beginn auch den Bereich der Rollenspiele dabei – das hat sich aber über die Jahre hinweg nicht gehalten.

Wer daher im Bereich der Brett- und Gesellschaftsspiele angesiedelt ist, kann sich formlos bewerben. Jedoch haben wir das „Luxusproblem“, dass wir zum wiederholten Mal ausgebucht sind. Und da die aktiven Aussteller immer ein Reservierungsrecht für das folgende Jahr haben, ist es schwierig, bei uns noch einen Platz zu finden. Generell ist die Teilnahme als Aussteller (und als Besucher) komplett kostenlos.

Spielkinder.Essen: Gibt es auch Aussteller welche abgelehnt werden?

Thomas Fedder: Eigentlich nur diejenigen, die zwar angemeldet, aber ohne eine Meldung jedweder Art dann doch nicht gekommen sind (was leider schon häufiger vorgekommen ist).

Spielkinder.Essen: Ein weiteres Highlight der Spieletage sind der Bring & Buy-Flohmarkt sowie verschiedene Spieleturniere im Rahmen des Wochenendes. Magst du darüber etwas erzählen? Wieviele Teilnehmer verzeichnete der Flohmarkt zB im letzten Jahr?

Thomas Fedder: Über die Teilnehmer/Besucher des Flohmarkts haben wir keine Zahlen. Dafür aber über die eingelieferten Spiele und die Summe, die wir beim Flohmarkt „erwirtschaften“ und jedes Jahr für einen wohltätigen Zweck spenden. 2016 wurden über 2.000 Spiele eingeliefert, die Spende belief sich auf 2.600 Euro.
Durch notwendige Änderungen beim Flohmarkt dieses Jahr werden sich die Summen wohl verringern – aber damit steigt auch die Qualität des Flohmarktes.

Spielkinder.Essen: Und was kannst du schon über die Turniere erzählen?

Thomas Fedder: Wie jedes Jahr richten wir ein „Direktqualifikationsturnier zur Deutschen Catan Meisterschaft 2017“ aus. Außerdem ein „Qualifikationsturnier zur Deutschen DOMINION®-Meisterschaft 2016/2017“ sowie am Sonntag ein „Qualifikationsturnier zur Deutschen 7 Wonders Meisterschaft 2017“

Informationen dazu und die Anmeldeformalitäten sind auf unserer Homepage zu finden.

Spielkinder.Essen: Mit all ihren Aktivitäten erscheint die Messe plötzlich größer als gedacht. Eine solche Veranstaltung ist ohne ein beeindruckend aufopferungsvolles Team dahinter nicht zu stemmen. Inklusive der ehrenamtlichen Helfer etc – von wievielen beteiligten Personen „hinter dir“ sprechen wir?

Thomas Fedder: Im Orga-Team sind mittlerweile 6 Personen. An den Tagen selbst helfen über 50 Personen mit. Darunter die „Engel im Einsatz“ der Evangelischen Kirche Ratingen (welche verdienterweise den Ehrenamtspreis „Stille Helden des Alltags“ der ARD im Jahr 2012 gewonnen haben) sowie Spielerinnen und Spieler des VHS Spieletreff Ratingen.

Spielkinder.Essen: Auf wen freust du dich besonders? Und was sind deine erwarteten Highlights der diesjährigen Messe?

Thomas Fedder: Natürlich bin ich stolz auf die große Anzahl an verschiedenen Verlagen und Autoren. Als Organisator freue ich mich vor allem darauf, dass wir dieses Mal die beiden großen Verlage „Zoch/Norris“ und „Pegasus“ vor Ort haben. Die Ratinger Spieletage haben sich mittlerweile in der Verlagsszene rumgesprochen.

Als Privatperson könnte ich gar nicht so viel spielen wie ich wollte. Aber ich freue mich sehr auf den Autor meines derzeitigen Lieblingsspiels „Haspelknecht“ Thomas Spitzer, der auf jeden Fall den Prototypen der Haspelknecht-Erweiterung „The Ruhr Valley“ im Gepäck haben wird. Und vielleicht ist diese Erweiterung bis zu den Spieletagen auch schon offiziell beim Verlag „Quined Games“ erschienen – wir sind schon sehr gespannt.


20170304_134942Sein Lieblingsspiel Haspelknecht spielten wir dann auch gegeneinander. Ein Expertenspiel mit Tiefgang welches das Thema so beeindruckend rüberbringt. Zu Beginn der Kohleförderung im Ruhrgebiet des 16. Jahrhunderts geht es darum, mithilfe eines Bauern, Knechten und Leiharbeitern immer tiefer in seinen Kohlenschacht vorzudringen und Kohle an die Erdoberfläche zu befördern. Es gibt einen „Tech Tree“, der einem positive Boni verschafft und es gibt einen echt spannenden Mechanismus, seine Aktionen zu planen. Aber genaueres dazu folgt ein anderes mal.  

Wie auch in den vergangenen Jahren finden die Ratinger Spieletage am Wochenende vor Ostern statt – dieses Jahr also am 8. und 9. April, jeweils von 10 – 18 Uhr. Alle Informationen zu den Örtlichkeiten, den Turnieren und Ausstellern findet ihr auf der Internetseite http://www.stadt-ratingen.de/spieletage/.

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2 Kommentare zu „Thomas Fedder (NRW Spielt/Ratinger Spieletage) im Interview“

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