How boardgame blogging save my Life…

received_1197168896960551Ja, ihr seht richtig. Drei mal die selbe Person auf einem Bild. Und doch sind es ganz andere Menschen. Drei Episoden aus meinem Leben, drei verschiedene Charaktere in verschiedenen Jahren. Und es tut gerade nur ein ganz kleines bisschen weh, über diese Fotos nachzudenken. Das alles bin, bzw. war, ich. Dazwischen liegt viel Disziplin, viel Wut, viele Schicksale – aber auch viel Spaß, Hoffnung, Freude. Irgendwie ist es eklig, sich alte Fotos anzusehen. Aber irgendwie helfen diese, sich einiger Dinge bewusst zu werden. 

Zwischen dem ersten und dem letzten Foto liegen ungefähr 45kg Körpergewicht welche ich abgenommen habe. Ein Schritt in meinem Leben, welcher mich maßgeblich beeinflusst hat und für den ich heute sehr dankbar bin. Im Artikel zu Agricola hatte ich ja bereits einige kleinere Krisen in meinem eigenen Leben angeteasert welche mich zu einigen Gesprächen mit einem Psychologen zwangen. Mitverantwortlich für diese Besuche waren neben Stress mit geliebten Personen, Stress auf der Arbeit, Stress mit Freunden aber vorallem auch Stress mit mir selbst. Wer ein solch massives Übergewicht besitzt, kann nicht zufrieden mit sich sein sondern redet es sich höchstens ein. Und klar ist, dass diese Unzufriedenheit irgendwann auch auf alles andere abstrahlt.

Wir reden hier übrigens über ein Körpergewicht von 120kg bei einer Körpergröße von 1,62m – mehr muss ich glaube ich nicht erwähnen. Warum mir das alles gerade jetzt einfällt? Ein wirklich sehr geschätzter Bloggerfreund – Daniel vom Blog Knopfspiele.de – hat nach Pfingsten seine ganz private Fastenzeit ausgerufen. Fastenzeit bei Brettspielbloggern sieht so aus dass er neben dem Verzicht diverser Lebensmittel auch auf das Kaufen neuer Brettspiele verzichtet. Auch sein Ziel lautet, etwas Geld zu sparen und etwas an Gewicht abzunehmen. Die Fastenzeit schont also Körper und Geldbeutel.

Bei mir war vor drei Jahren einer dieser Punkte erreicht, die einen wachrütteln. – Ein privates einschneidendes Erlebnis machte mir zu Schaffen und ich kam endlich zu der Überzeugung dass es das richtige wäre, endlich abzunehmen. Keine Ahnung warum man so Offensichtlichkeiten trotzdem jahrelang mit sich herumschleppt ohne sie in die Tat umzusetzen. Ich meldete mich gemeinsam mit meinem besten Freund im Fitness-Studio an, ich änderte rigoros meine Ernährung und der Kampf gegen die Kilos begann. Kraftgerätesport, Ausdauersport, Treppensteigen statt Aufzug fahren und Mineralwasser statt Säfte und Limo. Und viel (!) Essen. Nur halt das richtige. Mehr Geheimnisse gibt es nicht.

Ich freu mich ständig wenn Daniel mich anschreibt und über genau solche Nebensächlichkeiten erzählt. Wie ist es, mehrere Wochen auf das Kaufen neuer Brettspiele zu verzichten oder dass ihm sein Sportprogramm und seine Ernährungsumstellung wieder ein paar Kilo haben abnehmen lassen. Seit heute, 25.3.2017, sind es übrigens 6kg bei ihm– während ich das hier schreibe passierte es nämlich wieder. Dabei kenne ich ihn überhaupt nicht persönlich, ich mag seinen Schreibstil in seinem Blog aber sehr. So kam es auch, dass wir über den Facebook-Messenger in Kontakt miteinander getreten sind.

Eines dieser Gespräche, die die meisten Nutzer der sozialen Netzwerke so oder so ähnlich kennen und deswegen gar nicht weiter erwähnenswert finden. Für mich wiederrum ist das was ganz besonderes, Daniel im Herbst anlässlich der Spielemesse in Essen zu treffen. Zu Zeiten, zu denen obige Fotos entstanden sind, wäre so etwas für mich nicht in Frage gekommen. Mit DEM massiven Übergewicht geht man nicht so ohne weiteres auf wildfremde Leute zu oder verabredet sich mit diesen zu gemeinsamen Touren über Messeveranstaltungen. Man schließt sich lieber zuhause ein oder verbleibt in seiner eigenen Schutzblase. Bei mir war diese Schutzblase lange Zeit das allwöchentliche Feiern gehen, Touren zu Fußballspielen und andere sinnlose Zeitvertreibe. Die Wochenenden vor 10 Jahren waren verglichen mit heute doch recht unschön, die heutigen freien Tage sind deutlich schöner gefüllt. Spieleabende, die erwähnten Spieleveranstaltungen, Treffen mit Spieleschaffenden und Kreativen und mein restliches Privatleben.

Jetzt aktuell steht ja die nächste Veranstaltung an, die Ratinger Spieletage warten, und auch da werde ich auf einige fremde Leute zugehen. Hauptsächlich Spieleautoren. Auch zu diesen hätte es früher gar keinen Zugang gegeben. Heutzutage treffe ich mich mit ihnen zum Interview, bereite mich auf diese Treffen vor und unterhalte mich freundlich und nett mit ihnen. Ganz gleich ob Jungautor oder gestandener Spieleentwickler. Durch das verfassen meiner Artikel hier hab ich die vergangenen Monate einige echt tolle Menschen kennen lernen dürfen. Offline und Online warten sie genauso wie „normale“ Hobby-begeisterte Spiele. Ich mach mir allerdings natürlich auch nix vor, nicht jeder Mensch der mein Hobby teilt muss auch ein super korrekter und freundlicher Mensch sein. Im Brettspielbereich gibt es genauso Idioten, Arschlöcher und verlogene Spinner wie es sie in jedem anderen Hobby auch gibt. Es gibt ja auch genug da draußen, die mich als Arschloch oder unfreundlich empfinden. Wahrscheinlich bin ich es auch.

Aber so ist das halt. Ich bin auch kein ausgewiesener Spieleexperte der jeglichen Titel genau unter die Lupe nehmen und die Regeln auseinandernehmen muss. Nö, ich bin einfach nur irgendein Kackvogel, der das über die Spiele schreibt, was er denkt. Wenn es jemand liest was ich schreibe: Cool. Wenn es niemand liest: Auch nicht schlimm. Wenn mich jemand mögen sollte, auch schön. Wenn dies nicht der Fall ist, dann ist das menschlich. Ich schreibe doch auch nur das, was sich im Kopf ansammelt. Und ich mag mich, so wie ich heute bin. Und wenn sich die örtliche Zeitung für mich interessiert: Auch geil. 

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Foto: FUNKE Foto Services – http://www.derwesten.de/staedte/velbert/der-velberter-markus-gentzik-testet-gesellschaftsspiele-id12170341.html

Seitdem ich mich erinnern kann, hab ich eh schon immer viel geschrieben. Viel, gerne und ich glaube auch nicht ganz sooo schlecht. Manchmal vielleicht ein wenig zu emotional, aber das war auch schon immer so. Die Schulzeugnisse zwischen Grundschule, Gymnasium, Real- und letztlich Berufsschule waren gerade im Fach Deutsch zumeist im 1er oder 2er Bereich angesiedelt, Ausreißer nach unten gab es nur ganz selten. Im Endeffekt war es nur die theoretische Grammatik, welche mir zu Schaffen machte. Diese konnte ich zwar gut anwenden, aber erklären konnte ich sie nicht. Dativ, Genitiv, Akkusativ und Nominativ? Diese Begriffe könnte ich heutzutage noch immer nicht auseinanderhalten. Gelobt wurden jedoch vorallem Diktate, Aufsätze und kleine Geschichten, welche ich mir ausdachte.

Schon aus der Grundschule stammt eine Anekdote, welche bis heute auf jeder Familienfeier zum Besten gegeben wird. Die Arbeitsanweisung, etwas darüber zu schreiben wie wir Weihnachten feiern würden konterte ich mit einer schonungslosen Aufdeckung des größten Skandals der damaligen Zeit, auf den Punkt in wenigen Sätzen: „Jedes Jahr wenn wir zu Heiligabend in die Kirche fahren tut meine Mutter, als hätte sie noch etwas in der Wohnung vergessen. Dann geht sie zurück und legt unsere Geschenke unter den Weihnachtsbaum. Die denkt auch wir sind doof und glauben noch an den Weihnachtsmann“ – Investigativer Journalismus in seiner besten Form, kann man heutzutage sagen. Die Weihnachtsfeste der folgenden Jahre sollten nie wieder so werden wie die vorherigen. In dieser Zeit sammelte ich demnach also schon das Rüstzeug, um auch in den Folgejahren viel und gerne zu schreiben.

Ich schrieb für mich selbst mein wirres Gedankengut zusammen. Ich schrieb während meines Schulpraktikums für das städtische Käseblatt über Lokalnachrichten. Und ich schrieb viele Monate für das Vereinsmagazin des örtlichen Fußballvereins. An anderer Stelle erwähnte ich ja bereits, dass einer Karriere im Journalismus nur meine absolute Faulheit in der Schule und die strikte Weigerung, intensiv lernen zu wollen im Weg stand. Heute im Nachhinein denke ich mir, dass ich auf jedenfall das Zeug gehabt hätte mehr zu lernen und zu studieren. Aber so ist das wenn man einmal (oder zwei, dreimal….) falsch abbiegt. Irgendwann hast du dich verrannt und du schlägst eine neue Richtung ein. Ich bin nicht verbittert deswegen, keine Sorge. Ich bin froh mit dem was ich heutzutage mache, sowohl beruflich als auch privat und gesundheitlich bin ich mit mir im Reinen und zufrieden. Fotos wie oben sprechen eine deutliche Sprache.

17268953_1480526358624802_1522450815_oIch hab einen tollen knochenharten Job, tolle Hobbys, tolle Freunde, eine wahnsinnig tolle Freundin und eine tolle Familie. Das Hobby Brettspiel und dieser chaotische Blog sorgen immer wieder für neue spannende Kontakte mit anderen Verrückten – und nichts davon will ich missen oder eintauschen. Es sind die Randgeschichten und Anekdoten, die es so besonders machen. Die Tage trat Uwe Rosenberg aufgrund eines Artikels virtuell mit mir in Kontakt – auch das eine eigentlich unwichtige Anekdote – aber eine welche niemals geschehen wäre, ohne all diese eingeschlagenen richtigen Pfade. All diese Anekdoten würden halt niemals geschehen, wenn ich nicht schreiben und anecken(?) würde – und all das würde nie passieren, wenn ich nicht irgendwann rigoros mein Leben verändert, wahrscheinlich auch mein eigenes Leben gerettet hätte.

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1 Kommentar zu „How boardgame blogging save my Life…“

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