„OPERATION C ist eine Hommage an die 80er Jahre“ – Meg Griffin über seinen Dungeon Crawler im Interview (Ratinger Spieletage 2017)

20170408_112840Noch bevor ich überhaupt vom Brettspiel OPERATION C von Markus „Meg Griffin“ Leers erfahren hab, fielen mir in verschiedenen Facebookgruppen seine geposteten Schätze aus Kindheitstagen auf. Videokonsolen und Brettspielraritäten, die SEGA MegaDrive Konsole neben Talisman, der originale Gameboy (der graue Kasten natürlich) neben Agatha´s letzter Wille oder Der Schatz des Vul-Khan. Wer mochte das sein? Über sein Facebookprofil – ich habe gestalkt, ich gebe es ja zu – stieß ich neben seiner Leidenschaft für Retro-Zeitvertreib zu seinen aktuellen Projekten. OPERATION C – ein Dungeon Crawler in absurd-bunter Grafik ist eines davon. Auf den Ratinger Spieletagen konnte ich meinen Namensvetter dann zum Interview treffen.

Du bist Autor von Operation C. Was ist das für ein Spiel.
ML: Operation C ist ein kooperativer Dungeon Crawler für 4, mit Erweiterungen bis 5 Spieler. Hinzu kommt die optionale Möglichkeit, einen Spielleiter hinzuzunehmen. Dieser übernimmt in Operation C jedoch nicht die Funktion eines bösartigen Overlords um die Helden zu besiegen oder zu töten – vielmehr soll der Spielleiter die Helden durch ein Abenteuer führen und sie unterhalten. Er soll es den Helden nicht zu einfach, aber auch nicht zu schwer machen. Wie im Rollenspiel soll er das Spiel halt nur schön-spannend gestalten.

Im Mittelpunkt soll also wie im Rollenspiel die erzählte, gespielte Geschichte durch den Spielleiter stehen?
ML: Im Grundspiel hast du 30 Missionen, welche Karten-gesteuert und automatisiert ablaufen. Dazu haben wir uns diese zusätzliche Spielleitervariante ausgedacht. Wer die 30 Missionen einmal durchgespielt hat, hat mit seinen Helden vielleicht gerade mal 60% seiner Möglichkeiten erreicht. Der Rest lässt sich über die Spielleitervariante und die Erweiterungssets erleben. Die Möglichkeiten liegen ab hier auch am Spielleiter.

Du sprichst jetzt die ganzen Erweiterungssets an, auch die gezeigten Materialien sind sehr umfangreich. Das ist nicht dein erstes Spiel, oder? Das ist immerhin schon extrem viel Material für ein Erstlingswerk.
ML: Mein erstes Spiel war Adventure Rising, welches quasi ein Hyprid aus Talisman und Dungeon Quest war. Zur Zeit der Entwicklung 2007 hab ich beide Titel extrem viel gespielt. Da das Spiel für mich fertig war hab ich irgendwann aber auch aufgehört daran weiter zu arbeiten und es hat sich letztlich im Sande verlaufen. Im Internet findet man allerdings noch immer eine Menge dazu.

Seit wann arbeitest du dafür jetzt an Operation C?
ML: 2009 hab ich mit der Konzeption von Operation C angefangen – damals unter dem Titel Lichtbringer. Es gab allerdings noch ein ganz anderes Szenario und es war in der Fantasy angesiedelt. Ab 2011 hab ich dann die Arbeiten an diesem Prototypen intensiviert und dessen Titel wandelte sich zu Inferno. Einige Elemente dieses damaligen Projektes sind auch heute noch in Operation C wieder zu finden.

Ab 2013 jedoch erst, als mir die Idee dieses Dinosaurier/Forschungsstation-Settings kam, wurde es zum heutigen Operation C. Seitdem hab ich auch intensiv an der Storyline geschrieben, die Helden und die Missionen entwickelt. Das hat enorm Zeit gekostet, aber auch sehr viel Spaß gemacht.

Stammen die Grafiken auch von dir?
ML: Die Grundgrafiken hat ein Bekannter von mir gemacht – Tobias Kornemann. Der hat mir zu anfangs geholfen, weil ich überhaupt keine Ahnung von Photoshop hatte. Zwischenzeitlich fing dieser jedoch selbst an, an seinem eigenen Spiel zu arbeiten. Ein Spiel, welches das Videospiel Fallout zum Vorbild hat. Als der keine Zeit mehr für Operation C fand, hab ich mich selbst nochmal an Photoshop gesetzt und mich durch zahlreiche Tutorials durchgekämpft. Die Grundlagen stammen aber immer noch von ihm.

Was ist neben der auffälligen Grafik das interessanteste für dich an Operation C?ML: Das interessante ist jedenfalls dabei dass du durch ein offenes Szenario mit Zeitreisen sehr viel Spielraum hast und du dein Spiel in jede Richtung lenken kannst wie du willst. Man könnte beispielsweise auch ein Erweiterungsset in der Vergangenheit ansiedeln, es gibt Paralleldimensionen – es liegt nur daran, wie abgedreht du wirklich seien willst.

Den Grafiken nach sehr abgedreht. Sowohl diese als auch das ganze Szenario ist sehr innovativ für ein Brettspiel. Was inspiriert dich? Im positiven Sinne wirkt Operation C auf mich wie aus Versatzstücken aus vielen, vielen kleinen Einflüssen der 80er / 90er Jahre. Wie ein 80er Jahre Science Fiction Hero Quest Half Life mit Dinosauriern.
ML: Solche Inspirationen gibt es tatsächlich. Das Videospiel Dino Crisis für die erste Playstation beinhaltet ein ähnliches Szenario. Operation C ist halt wie eine Hommage an meine Jugend. Im dazugehörigen Regelbuch habe ich viele kleine atmosphärische Texte, roman-artige Einleitungen die dir helfen, in die Welt einzutauchen. In den ganzen kleinen Einleitungsabschnitten hab ich auch extrem viele Verweise an Terminator, an Aliens, an Robocop – an die glorreichen 80er, mit denen ich aufgewachsen bin. Die hab ich da mit einfließen lassen. Die Namen der Helden sind im Grunde auch an Charaktere aus den 80er und 90er Jahren angelegt. Wir haben zum Beispiel Ripley Thomas – angelehnt an Alan Ripley aus Alien. Auch andere Kombinationen kommen vor, Dylan Palmer, angelehnt an Dylan aus Predator und Deacon Palmer aus King of Queens.

Und was ist genau die Story hinter Operation C. Warum kämpfen wir gegen Dinosaurier?
ML: In der nahen Zukunft hat der Konzern BIOGEN den CHIRURG-Parasiten erforscht, mit welchem es möglich ist, biologische Waffen zu entwickeln. Der Parasit wird in Organismen eingepflanzt und mutiert diese Lebensformen. Dieser lässt sich von weitem fernsteuern, so dass die moderne Kriegsführung ihre Soldaten durch diese mutierten Lebewesen ersetzt hat um ihre Gegner auszulöschen. Man schickt also keine Menschen mehr in die Schlacht sondern schmeißt einfach die Biowaffen da hin. Wie es in solchen Spielen aber immer ist, funktioniert irgendetwas natürlich nicht 100%ig.

Es kam rund um den Konzern und diese Art der Kriegsführung zu Problemen in der Öffentlichkeit. Der Konzern vertuschte und verschleierte alles und forschte heimlich weiter auf seiner Forschungsstation im Aruga-Archipel – einer Insel irgendwo abgelegen im Nordatlantik. Der Forschungskonzern ist dabei böse und korrumpiert einfach alles, wie man es halt kennt – ein weiteres direktes Element aus Jurassic Park und anderen Romanen von Michael Crichton.

Erst im Laufe der Zeit kommt dann heraus dass sich unterhalb des Archipels ein uralter Vulkan befindet. In diesem Vulkan sind Ruinen einer vergangenen Zivilisation gefunden worden, bei denen man immer noch nicht weiß woher diese stammen, sie könnten menschlich oder außerirdisch sein. In diesem Vulkan hat man Fragmente von guterhaltener Dinosaurier-DNA gefunden. Unglücklicherweise harmoniert der Parasit unglaublich gut mit dieser Dinosaurier-DNA und macht Entwicklungen durch, welche bei anderen Lebewesen nicht möglich waren.

Mit der Dinosaurier-DNA ist der Konzern im Stande mehrere Parasiten zusammenzuschließen. Diese CHIRURG-Prime genannten Parasiten stellen sich als unglaubliche Energiequellen dar. Mit dieser Energiequelle ist die Möglichkeit gefunden worden, in den unterirdischen Ruinen gefundene Dimensionstore zu aktivieren.

Wenn man so ein Tor öffnet gibt es jedoch auch immer Probleme – man öffnete eines dieser Tore, die Verbindung zur Forschungsstation wird unterbrochen und man schickt die Helden zur Forschungsstation. Und hier fängt die Geschichte von Operation C an.

Und ja, das hab ich mir mehr oder weniger alles alleine zusammen gesponnen. Man denkt vielleicht erstmals nur an „Dinosaurier abschießen“. Aber wenn du dann von vorne anfängst zu erzählen, damit rechnen die meisten nicht.

Wie fertig ist diese Geschichte? Arbeitest du heute immer noch weiter?
ML: Ich arbeite aus Spaß immer mal wieder weiter an dem Spiel, ja. Jetzt gerade wo ich das Grundspiel soweit fertig habe kommen durch die Erweiterungen ja noch mehr Elemente hinzu. Die „Asche zu Asche“-Erweiterung lässt einen den Vulkan erkunden. Dann hab ich die „Unheimliche Tiefe“-Erweiterung, welche eine weitere Forschungsstation unter Wasser einführt.Ich hab noch die „Grave“-Erweiterung mit einem nutzbaren Minen-System. Auf dem Archipel gibt es in Form einer Erweiterung noch die Stadt die man besuchen kann und vieles mehr.

Wie realistisch steht es um eine Veröffentlichung von Operation C bei einem Verlag?
ML: Für deutsche Spieleverlage ist diese Mechanik des Kämpfens leider ein großes Problem, da die Klientel angeblich viel zu klein und das Thema nicht massentauglich ist. Meines Wissens nach gibt es Brettspiele solcher Art aus Deutschland auch überhaupt nicht.

Der erste und beste Weg ist vielleicht der, dass man sich bei einem Verlag zuerst ein Standbein schafft. Wenn ich Spiele mache, ist es jedoch immer etwas extrem Zeit- und Kostenaufwändiges, von daher mache ich nur Spiele welche mir Spaß machen, hinter denen ich stehe und die ich persönlich gut finde.

Und wie reagieren die Spieler im Gegensatz zu den Verlagen auf Operation C?
ML: Wenn ich mir meine Spielpräsentationen und die Internetforen anschaue dann gibt es trotz aller Bedenken der Verlage die entsprechende Klientel für so Spiele scheinbar doch – die Spiele werden ja gespielt. Und das solche Spiele Anklang finden sehen wir tagtäglich auf Kickstarter. Miniaturenspiele brechen auf Kickstarter sämtliche Rekorde. Also schauen wir mal was da noch passiert.

Jedes Jahr im Mai findet in Herne über ein ganzes Wochenende der „Herner Spielewahnsinn“ statt – dieses Jahr ist es vom 12. bis 14. Mai wieder soweit. Operation C wird auch dort zum anspielen bereit stehen. Weitere Informationen über Markus Leers´ Projekt findet ihr zusätzlich auf seiner Internetseite http://operation-c.wixsite.com/homepage – und dem Herner Spielewahnsinn widme ich in der kommenden Zeit noch.

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