„Mein Traumhaus“ von Klemens Kalicki (Pegasus) – Home, Sweet Home. [Spielerezension]

davFrauenspiele und Männerspiele – das sind zwei ganz besondere Kategorien meiner Freundin, in der man Brettspiele unterteilen kann. Für Frauenspiele gilt, laut einer von vielen Definitionen folgendes: Sie haben quietschbunte Grafiken, sehr niedliche Illustrationen, eine schlichte Spielmechanik und sind recht schnell erklärt. Oft sind auch Tiere mit dabei. Männerspiele sind alle anderen. Einen würdigen Vertreter dieser Gattung „Frauenspiel“ präsentierte Pegasus im letzten Jahr mit „Mein Traumhaus“. Verbunden mit dem vollmundigen Versprechen den „Traum von den eigenen vier Wänden endlich in Erfüllung“ zu bringen, “ Vom Keller bis zum Dach“ keine Wünsche offen zu lassen und dem „Gestaltungsdrang keine Grenzen“ zu setzen erwartete ich ein innovatives Brettspiel welches sowohl meine kreative Ader stimuliert als auch meinem Wahn nach Optimierung gerecht wird. Aber irgendwie kam es anders.

In Klemens Kalicki´s Erstlingswerk „Mein Traumhaus“ treten zwei bis vier Spieler im direkten Wettstreit darin an, sich möglichst erfolgreich ihr Traumhaus einzurichten – selbsterklärend eigentlich, bei dem Namen. Stellt euch nun jeden Spieler als kleine Familie vor, welche in einer dieser typischen US-Familienserien-Reihenhaus-Straßen wohnt in denen jedes Haus dem anderen gleicht. Jeder Spieler beginnt also mit den selben Anfangsvoraussetzungen: Einem Haus mit Garage und zwei Etagen.

Zum Beziehen und Einrichten des Hauses hat jeder Spieler nun die Möglichkeit, sich vom Spielplan eines von fünf Kärtchenpaaren auszusuchen. In der unteren Reihe finden sich einzelne Zimmer. Abhängig von ihrer Art bringen diese am Ende des Spieles Punkte.
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Punkteboni gibt es, wenn ein Spieler es schafft ein großes Zimmer einzurichten. Die Symbolik ist absolut einleuchtend und eindeutig: Auf den Karten ist immerzu angegeben, wieviel Punkte eine Küche bringt, wieviel zwei Schlafzimmer oder drei Wohnzimmer wert sind. Wichtig ist nur, dass Küche, Schlafzimmer, Wohnzimmer etc. jeweils nebeneinander liegen. Räume der gleichen Sorte, die in verschiedenen Stockwerken liegen gelten als getrennt voneinander und werden einzeln gewertet. In den oberen Etagen darf aber auch eh nur gebaut werden, wenn die Räume dort ein Fundament besitzen – also der entsprechende Teil im Stockwerk darunter bereits eingerichtet wurde.

Auf dem Spielplan gibt es neben den Zimmern noch eine weitere Reihe mit Kärtchen. Dort befinden sich sogenannte Experten, Dächer, Werkzeuge und Dekorationsobjekte und ein Startspielermarker. Dekorationsteile bringen einem zusätzliche Punkte in sein Haus, die Experten lassen einen zusätzliche Fähigkeiten ausführen und zum Beispiel seine bereits gelegten Zimmer austauschen und die Werkzeuge helfen einem auch im Spiel weiter. Den Startspielermarker und seinen Effekt erkläre ich jetzt aber nicht, damit das klar ist.

Jeder Spieler entscheidet sich für eine Spalte, also einem Paar aus oberer und unterer Karte. Hat jeder seine Wahl getroffen, wird für die nächste Runde aufgefüllt.

Die Spieler versuchen nun möglichst geschickt in 12 Runden sinnvoll ihre Kärtchenpaare auszuwählen um am Ende die höchste Punktzahl zu erringen. Extra Punkte gibt es für erfüllte Mindeststandards: So gibt es zusätzliche Punkte für mindestens 1 Badezimmer im Haus, für mindestens ein Schlafzimmer, ein Badezimmer und eine Küche und für komplette Dächer – also wenigstens vier gewählten Dachkarten. Haben diese auch noch die gleiche Farbe, gibt es noch mehr Punkte. Mehrfach wurden sich übrigens pinke Dächer gewünscht, diese gibt es leider nicht – diese würden das mit dem Frauenspiel noch einmal abrunden. Aber es ist ja noch Raum (haha) für eine Erweiterung.

hdrDer Spieler mit den meisten Punkten gewinnt am Ende und darf sich freuen wenn er mag. Ich konnte mich dabei allerdings nicht über meine Siege freuen geschweige denn über Niederlagen aufregen, dabei haben meine Freundin und ich es mehrmals versucht. Ein wirklicher Reiz daran erschloss sich mir dabei aber nicht. Viel zu seicht, zu wenig Möglichkeiten und zu wenig Herausforderung an meine Kreativität. Ich erwähnte es ja oben bereits dass ich gerne mein Tun und Handeln immer wieder hinterfrage und verbesse. Wirklich viel falsch machen kann man im Spielen von „Mein Traumhaus“ nicht, selbst wenn sich im Laufe des Spiels mal eine falsche Entscheidung ergibt, bieten einem die Expertenkärtchen und Werkzeuge genug Möglichkeiten, diese im nachhinein zu korrigieren. Mir ist es damit persönlich definitiv viel zu seicht. Ich kann mich nicht freuen über etwas was so dahinplätschert, es gibt nichts zum Tüfteln für mich, kreativ seien darf ich nicht – im Endeffekt lebt man ja nicht seine Kreativität aus sondern setzt sich möglichst lukrative Punktewerte zusammen. Das hat mit „meinem Traumhaus“ nichts zu tun – aber ich werde wahrscheinlich eh nie in einem zweistöckigen Reihenhaus wohnen.

Klar, die Illustration ist echt niedlich und wirkt einfach zuckersüß, mehr bietet es mir allerdings auch nicht. Und für´s „niedlich anzusehen“ ist mir mein Regalplatz eigentlich viel zu schade. Ich kann mir hingegen tatsächlich vorstellen dass Pegasus mit „Mein Traumhaus“ ein Spiel vertrieben hat welches man einer kleinen Familie zum Einzug in ihre neuen vier Wände als Geschenk mitbringen kann. Diese spielen das Spiel dann einmal, freuen sich drüber, und lassen es dann doch wieder verstauben – was ja irgendwie von der Beschreibung her auf eine Spiel des Jahres-Nominierung vermuten lässt. Vielleicht sind meine Freundin und ich vom Familienleben auch noch zu weit entfernt? Meine ehemalige Nachbarin, in deren leergeräumtem Keller ich das Foto zum Spiel geknipst habe, ist da schon weiter. Nach ihrem Auszug nutzte ich die Gelegenheit und stellte mir das Spiel dort rein – Bierflasche, Eimer und Wandfarbe standen passenderweise noch dort herum. Fotokamera geholt, fotografiert und fertig. Nun habe ich zwei Dinge abzugeben: Unter mir ist eine Wohnung frei und „Mein Traumhaus“ benötige ich auch nicht mehr im Regal. Ernsthafte Interessenten bitte per E-Mail an mich – wenn es eine Familie ist, kann sie meinetwegen auch das Spiel kriegen. 🙂

„Mein Traumhaus“ von Klemens Kalicki (Pegasus Spiele)

2 – 4 Spieler ab 8 Jahren. Dauer: ca. 30 Minuten

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