1960 – The Making of the President (GMT) – Jason Matthews und Christian Leonhard

  • 20708162_489421931395471_6126593303286187438_nIn Greensboro (North Carolina) veranstalten afroamerikanische Studenten das weltweit erste Sit-in. Mit dem Sitzstreik protestieren sie gegen das Reservieren eines Restaurants ausschließlich für Weiße
  • Cassius Clay wird Olympia-Sieger
  • und am 8. November 1960 siegt der Republikaner Richard Nixon in einer knappen Entscheidung über den demokratischen Präsidentschaftskandidaten John F. Kennedy und wird in balde seinen Posten als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika einnehmen…..

Jason Matthews ist eine Legende. Er schrieb nicht nur Geschichte, nein. Er schreibt Geschichte um und er schreibt sie neu. Als Autor von historischen Konfliktsimulationen ist er in den vergangenen Jahren als Autor, haupt- oder  Mitverantwortlich, beteiligt gewesen an Spielen wie 1960 – The Making of the President, Campaign Manager 2008, Sola Fide oder Twilight Struggle, in Deutschland auch besser bekannt als Gleichgewicht des Schreckens. Allesamt hervorragende Zwei-Personen-Strategiespiele.

Spätestens mit meiner ersten Partie des letztgenannten Card Driven Games (CDG) Twilight Struggle (oder seiner App) war es ja bekanntlich um mich geschehen. Dieser Spielmechanismus hat mich in seinen Bann gezogen. So sehr dass seitdem noch einige weitere Klassiker und weitere Spiele mit dieser besonderen Antriebsform Einzug in mein Spielregal hielten. Washington´s War, ein Strategiespiel rund um die Szenerie des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, 1989 – Dawn of Freedom als Gleichgewicht des Schreckens-Nachfolger mit dem Jahr der osteuropäischen Revolutionen als Hintergrund oder gar Thunder Alley sind so Spiele, welche durch ihre enormen strategischen Möglichkeiten zu glänzen wissen. Thunder Alley lustigerweise als ein US-Nascar-Autorennen, welches das Gewand bildet für einen Spielmechanismus, welcher sonst eigentlich nur in Wargames zu finden ist.

Aktuell arbeitet Jason Matthews gemeinsam mit Ananda Gupta an einem weiteren CDG: Dem Nachfolger des legendären Twilight Struggle. Imperial Struggle soll an den Klassiker erinnern, abgebildet wird nun allerdings der Zeitraum des zweiten 100 jährigen Krieges zwischen 1697 und 1789, einem ein Jahrhundert durchdauernden Kriegszustand zwischen den beiden Königreichen England und Frankreich um die Vorherrschaft in den Kolonien sowie die Zukunft beider Parteien in Europa. Aktuell landet bei mir allerdings gerne ein weiterer Klassiker von Jason auf dem Tisch. Bereits 2007 erdachte er zusammen mit Christian Leonhard das CDG 1960 – The Making of the President.  Zum zehnjährigen Jubiläum hat der Spieleverlag GMT Games die Rechte einer komplett neu illustrierten Neuauflage des Klassikers gesichert. Und diese Ausgabe liegt mir nun vor.

20664643_489421731395491_6661583448643977357_nIn meinem aktuellsten Brettspiel dieser Art entspricht das Setting und das ganze Drumherum den Ereignissen, die wahlbeeinflussend für die US-Präsidentschaftswahlen des Jahres 1960 gewesen sind. In mehreren Runden spielen die Spieler Karten aus und beeinflussen den Wahlkampf des laufenden Jahres. Ein Spieler in der Rolle von John F. Kennedy, der andere als Richard Nixon.

Sowohl Kartenereignisse als auch die Zahlenpunkte können genutzt werden die Wahlkampfaktivitäten, die Wichtigkeit einzelner politischer Kernthemen oder die Werbung in den verschiedenen Regionen des Landes voranzutreiben. Der strategische Hauptkernpunkt ist die jeweilige Entscheidung, wann es sinnvoller ist das Ereignis einer Karte auszuspielen, wann die Punkte zu nutzen.

20770396_491527331184931_278408881618834326_nEine Debattenphase und der schlussendliche Wahltag, welche einmalig im letzen Dritten des ca. 2 stündigen Spiels vorkommen, runden das Spiel ab – bereits von Beginn an muss strategisch daraufhin gearbeitet werden, was „1960“ so enorm vielschichtig macht.  Was sich so simpel liest lässt sich, gerade durch die historische Authentizität jeder einzelnen Karte und ihrer Auswirkungen so wahnsinnig spannend erleben. Neben der Historie und dem absolut unverbrauchten Thema ist die hervorragende, aufgeräumte Illustration ein großes Plus. GMT-typisch wirkt das Spielbrett sehr übersichtlich. Auch die restlichen Materialien sind äußerst hochwertig, egal ob die Karten in vernünftiger Dicke, die dicken Pappmarker oder die Holzwürfel – alle Zubehörteile hinterlassen einen fantastischen Eindruck. 20729500_489422034728794_9061019108718248485_n.jpg

So faszinierend 1960 auch ist: Wie die meisten solcher Strategiespiele, es scheint ein schweres Pflaster hierfür in Deutschland zu geben, ist es nur in englisch zu erhalten und selbst in lokalen Brettspielgeschäften äußerst schwer zu finden. Eine Ausnahme bildet hier Udo Grebe Gamedesign aus Bedburg bei Köln. Dieser managt den deutschen Vertrieb des US-Verlages GMT, welcher sich auf Konfliktsimulationen, Spiele mit historischem Bezug und anderen komplexen Strategiespielen spezialisiert hat. Man muss also in den allermeisten Fällen auf Importwege aus den USA zurückgreifen. Und schnell sein, aufgrund der immer sehr begrenzten Auflagen.

Die Spiele von GMT Games werden nach dem Verfahren Project 500 produziert. Hierbei können die Kunden ein Spiel vor Beginn der Produktion zu einem Vorzugspreis fest vorbestellen. Ab einer pro Spiel festgelegten Anzahl von Vorbestellungen (meist zwischen 500 und 750) ist dann der sogenannt cut erreicht und das Spiel wird produziert. Hiermit bleibt das finanzielle Risiko des Verlages kalkulierbar. Aber es lohnt sich, wenn man Geschichte schreiben will. Meiner letzten Partie „1960“ war nämlich letztlich auch zu verdanken dass, wie in der Einleitung oben, Nixon statt Kennedy die Wahl gewonnen hat. Wäre die Welt heute eine andere geworden?`Findet es raus.

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