Essen, Shut up and Take my Money – Meine ausländischen Spielemesse-Highlights 2017

davDer Countdown läuft, der Endspurt beginnt jeden Moment. Ich zähle nochmal nach, aber mein Kalender lügt eigentlich nicht: In 31 Tagen beginnt mit der Essener Spielemesse das alljährliche Mekka der Brettspielliebhaber. Die SPIEL 2017 zieht Jahr für Jahr neben den zahlreichen in Deutschland ansässigen Firmen auch etliche Autoren, Spieleverlage und Illustratoren aus dem Ausland an um ihre Neuheiten vorzustellen. Unter diesen Neuheiten hab ich mir eine handvoll ausgesucht, welche mir gefallen könnten.  Oftmals ist die Spielemesse die einzige Möglichkeit, an manche der ausländischen Importspiele heranzukommen. Sei es dass sie schnell ausverkauft sind und nie wieder produziert werden, kein deutscher Verlag Interesse zeigt oder die Portokosten am Ende den Wert des Spieles um ein vielfaches übersteigen. Bedingung, in diese Aufzählung zu kommen war halt, dass die Veröffentlichung im Ausland erfolgt(e). Weitere Empfehlungen werde ich beizeiten noch ergänzend vorstellen. Auch ein paar deutsche Spiele hab ich im Auge, klar. Nun aber zu meinen ganz persönlichen ausländischen Highlights:

pic3195613_lgIch beginne meine Neuheitenliste mit einem Spiel, welches gar keine Neuheit ist – Rhein River Trade erschien bereits im letzten Jahr beim italienischen Spieleverlag Giochi Uniti und wurde damals schon auf der Spielemesse vorgestellt. Neu jedoch ist, dass mir dieser Titel ermöglichen wird einen ganz anderen Blick auf die SPIEL zu werden: Als Erklärer. Ich werde zwei Tage der Spielemesse am Stand von Giochi Uniti verbringen um euch das Spiel näher zu bringen..

Worum geht es bei Rhein River Trade?
Es ist ein mittelkomplexes Pickup and Delivery Eurogame um den Warentransport auf dem Rhein. Warencontainer müssen in Basel verladen und in verschiedene Städte entlang des Rheins transportiert werden. Damit werden Aufträge erfüllt und Geld verdient. Geld sind Siegpunkte.

Nettes Optimierungs- und Logistikspiel wo es darum geht abzuwägen wann Transport per Zug, Flugzeug, Schiff oder LKW am lukrativsten für einen ist. Nicht das komplexeste Spiel aber nett gemacht. Ist ein Spiel mit dem Rhein als Thema schon Fremdgehen, wenn man sonst eigentlich ins Ruhrgebiet verliebt ist? Ich werde Kohle-Trilogie-Autor Thomas Spitzer dazu befragen müssen.

Rhein River Trade (bei Giochi Uniti, Italien)
Designer: 
Marco Canetta, Stefania Niccolini


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Der Belgier Jason St. Just wird auf der Spielemesse auf jedenfall mit einem neuen Titel überraschen. „Lost in Time“ ist ein Kartenspiel für 1 bis 4 Personen und macht den Anschein wie eine Mischung aus semi-kooperativem Zeitreise-, Adventure-, Survival-Spiel. Mit ihren Karte begeben sich die Spieler im Jahr 2031 auf eine lehrreiche und spannende Reise durch verschiedene Epochen der Weltgeschichte – die ersten Bilder des Spielmaterials zeigen wunderschön illustrierte stimmige Karten und viel berühmte Charaktere ihrer Zeit.

Lost in Time (im Selbstvertrieb, Belgien)
Designer: Jason St.Just


21314416_1707878595889576_1996658425534548669_n-Irgendwie wirkt diese (spanische) Messeneuheit ja sehr charmant. Ein taktisches Wargame mit äusserst skurillen Miniaturen, welche sich als Rebellen im Krieg gegen ein Nerdkultur-verachtendes Regime befinden . Viel mehr weiß ich allerdings auch noch nicht. Die Miniaturen sind witzig, das Artwork gefällt und das schräge Thema ist auch mal etwas neues für ein Spiel dieser Art. Anschauen kostet ja auch nichts, also hin zum DEVIR-Stand 🙂

Fanhunter: Urban Warfare (Devir, Spanien)
Designer: David Esbri

 


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Die Geschichte um den englischen Waisenjungen Oliver Twist vom Autoren Charles Dickens gehört zu einer der bekannten Erzählungen der englischen Literatur. Oliver Twist, der im Armenhaus einer englischen Kleinstadt aufwächst ohne etwas über seine Herkunft zu wissen wird nun auch zum Protagonisten eines Brettspiels von Bruno Cathala. Viel ist noch nicht bekannt, Pick Up & Delivery und Set Collection vermeldet Boardgamegeek, aber ich mag bereits jetzt die charmanten Illustrationen sehr,die den Flair des früheren viktorianischen Englands wiedergeben und ein bisschen so wirken wie aus einem Disney-Film.

Oliver Twist (Purple Brain Creations, Frankreich)
Designer: Bruno Cathala, Sébastien Pauchon


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Irgendwann in den späten 1980er Jahren. In einer US-Amerikanischen Kleinstadt geschehen merkwürdige Dinge, die Einwohner vernehmen unheimliche Geräusche und Gestalten – ein klassisches Horrorszenario, wie es im (Dreh)-Buch steht. In diesem 2-Personen-Spiel übernimmt einer der Spieler das pure Böse welches über die Stadt hereinfällt, der andere Spieler vertritt die Bewohner, die sich gegen die Dunkelheit um sich herum wehren. Horrorfilm-Setting, Karten ausspielen, Area Control… Passt und kann gefallen, gerade für einen passionierten 2-Spiele-Spieler wie mich.

InBetween (bei Board&Dice, Polen)
Designer: Adam Kwapiński


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Eine außerirdische Invasion auf der Erde. Eine Supergrippe steht kurz vor der Vernichtung der Menschheit. Wie wäre es mit einem Zombie-Ausbruch, Asteroidensturm oder ganz klassisch, einem neuen Weltkrieg? Unser Planet steht in „60 Seconds to save the World“ von Jason Tagmire auf jedenfall nur ganz, ganz knapp vor der vollkommenen Zerstörung, und die 2 – 6 Spieler haben vollkooperativ nur noch 60 Sekunden Zeit, die Menschheit zu retten. Das jeweilige Kernthema der verschiedenen PANDEMIE-Ablegern wird hier auf ein kürzeres Kartenspiel komprimiert. Natürlich dauert das Spiel keine Echtzeit-60-Sekunden – die ablaufende Zeit wird jedoch, so interpretiere ich die Informationen, durch unterschiedliche zu sammelnde und auszuspielende Karten dargestellt.

60 Seconds to save the World (bei Alderac Entertainment Group, USA)
Designer: Jason Tagmire


pic3562670_mdIch glaube nicht dass mir ohne Beihilfe Dice Hospital sonderlich aufgefallen wäre, dafür konnten mich Krankenhäuser seit meiner Videospiel-Ära und dem Spiel THEME HOSPITAL auf der Playstation 1 nicht mehr genug begeistern. Gott sei Dank war ich, bis auf einen karnevalistischen Notfall an einem Rosenmontag vor ein paar Jahren auch noch nie im Krankenhaus eingeliefert. Auf dieses Schmuckstück stieß ich nun auf jedenfall durch Knopfspiele.de-Daniel und seinem Blog-Co-Autoren Gunnar, welche beide auf der Spielemesse Dice Hospital vorstellen und erklären wollen. Es soll sich um ein äußerst knobeliges Worker Placement mit ner Menge Variantenreichtum handeln, hoher Wiederspielwert, tolle Illustrationen, Solo-Modus. Soll aber erst noch bei Kickstarter erscheinen. Die Demo gibt’s auf der Messe.

Dice Hospital (bei Alley Cat Games, England)
Designer: Stan Kordonskiy, Mike Nudd


21761367_1722774324400003_5413395609333470306_nDie Simulation einer Bergersteigungstour für 1 bis 6 Spieler: Der Berg wird vor jeder Partie immer wieder neu zusammengesetzt und die Spieler müssen während des Aufstiegs mit ihren Resourcen vernünftig planen und mit Sauerstoff und Nahrung haushalten. Sie sollen sich gegenseitig unterstützen um den Weg gemeinsam zu bestehen, letztlich will aber natürlich jeder oben auf dem Berg ankommen: Und zwar um jeden Preis. Jeder Charakter hat seine eigenen Vor- und Nachteile, 190 Karten und über 100 Bergplättchen um die Route auszustatten runden das Paket ab. Das Cover-Artwork ist dazu auch noch echt sehr stark.

Summit (bei Inside Up Games, Kanada)
Designer: Conor McGoey


pic3478069_md Ein kooperatives Spiel rund um das Überleben taiwanesischer Zivilisten gegen Ende des zweiten Weltkrieges. Ich erwarte ein Spiel ähnlich der Mechaniken aus Days of Ire – Budapest 1956 oder Pandemie. Das Spielmaterial zeigt verschiedene Charaktere mit unterschiedlichen Werten die auf Nahrung sowie gesundheitliche und moralische Attribute hindeuten. Die Charaktere können Gegenstände oder Waffen sammeln die ihnen im Überleben des Kriegsszenarios helfen. Ziemlich hartes Thema, sehr special und sicher nicht für jeden erfreulich – aber ich will es mir auf jedenfall ansehen.

Raid on Taihoku (bei Mizo, Taiwan)
Designer: Teng Chieh-Ming


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Ein Deckbuilding Game welches das Wörtersuch-Prinzip aus dem Klassiker-Scrabble auf ein neues Level hebt. Aus einem kleinen Standardsatz an Buchstaben basteln die Spieler Wörter, welche es erlauben sich neue Buchstaben zu kaufen – je spannender das neue gebildete Wort ist, desto höherwertige Buchstaben lassen sich kaufen. Gefällt mir sehr.

Paperback (bei Fowers Games, USA)
Designer: Tim Fowers


A Nice Cup of Tea

Der Autor von SNOWDONIA mit einem neuen Spross aus der Familie des auf deutsch bei Lookout erschienenen Spieles. Aus dem Walisischen Gebirge zieht es uns jetzt in den Himalaya, um in diesem Worker Placement Titel möglichst lukrativ Tee zu ernten. Allein weil ich noch nie in den Genuss kam Snowdonia zu spielen interessiert mich A Nice Cup of Tea um so mehr.

A Nice Cup of Tea (bei Surprised Star Games, England)
Designer: Tony Boydell


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Seit Jahren ausverkauft und heute nur noch zu Preisen im dreistelligen Bereich auf dem Zweitmarkt erhältlich ist Thomas Spitzer´s Ruhrschifffahrt – dem ersten Teil seiner Kohle-Trilogie. 2012 gewann er mit diesem Spiel den Hippodice-Autorenwettbewerb und veröffentlichte es danach auch direkt bei Spielworxx. Jetzt, 5 Jahre später, nimmt sich Capstone Games ein Herz und veröffentlicht die Ruhrschifffahrt noch einmal neu. Unter dem englischsprachigen Titel THE RUHR wartet ein komplexes Expertenspiel rund um den Kohle-Transport auf der Ruhr. Auf der Rückseite wartet mit einem Spielplan welcher den Ohio River zeigt, auch noch eine neue Herausforderung.

The Ruhr – A Story of Coal Trade (bei Capstone, USA)
Designer: Thomas Spitzer


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Stand heute das definitiv geilste Box-Artwork aller bisherigen Neuheiten. Pink-grell-bunte Dinosaurier, wie aus einem 90er Jahre Videoclip – was so hübsch daherkommt soll ein recht komplexes Worker Placement-Spiel rund um einen Jurassic Park-ähnlichen Freizeitpark sein. Die Spieler sorgen für die DNS der ausgestorbenen Tiere, züchten sie nach, halten sie in ihren Tierparks und versuchen die meisten Besucher anzulocken. Reine Achterbahnen reichen heutzutage doch nicht mehr. Die Spieler organisieren die nötigen Sicherheitsvorkehrungen. Und ja, wie in Jurassic Park, können die Dinosaurier auch ausbrechen und die Gäste angreifen und fressen.

Dinosaur Island (Pandasaurus Games, USA)
Designer: Jonathan Gilmour, Brian Lewis


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Ernsthaft, kann man dieses Artwork nicht stark finden? Aus Tschechien kommt eines der ganz tollen Spiele, die ich seit Monaten verfolge. In Space Race – The Card Game kämpfen die Spieler in ihren Rollen als Russen, Amerikaner, Europäer und Teilhaber eines privaten Unternehmens zu Zeiten des Kalten Krieges um die erste Partei die es schafft, ein funktionierendes Mondprogramm auf die Beine zu stellen. Gleichzeitiges Karten ausspielen, ein bisschen Bluffen, seine Aktionen verbessern und ein äußerst strategisches Vorgehen. Und verdammt nochmal, diese Illustrationen. Außerdem nennt mir mal bitte ein anderes Spiel mit Stephen Hawking als Spielkarte.

Space Race – The Card Game (Boardcubator, Tschechien)
Designer: Marek Loskot, Jan Soukal


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Schon längst vorbestellt und bezahlt und es braucht nur noch am Stand des US-Spieleverlages Capstone mitgenommen werden – damit sollte man sich aber auch wiederrum möglichst Zeit lassen, bei einem Gewicht von knapp 4 kg: Mein Königstransfer dieses Jahr kann THE CLIMBERS werden – ein ursprünglich in Deutschland erschienenes Spiel in einer Neuauflage. Und da die USA eben ziemlich USA-haft weit weg sind ist Essen vielleicht eine der ganz wenigen letzten Chancen, an The Climbers zu kommen. Was auf den ersten Blick wirkt wie eine bunte Ausgabe von Jenga 2.0 verbirgt ein extrem spannendes, taktisches und abstraktes Spiel für 2 – 5 Spieler. Auf dem zufällig zusammengebauten Holzturm hat jeder Spieler immer genau zwei Möglichkeiten: Er nimmt einen Würfel und setzt ihn um. Und er bewegt seine Spielfigur ein Stück nach oben. Die Würfel haben auf ihren verschiedenen Seiten die verschiedensten Farben und jeder Spieler darf nur auf einen Würfel klettern, wenn dieser seine Farbe zeigt. Also knobelt man sich seinen eigenen Weg frei und versperrt den seiner Mitspieler. Ziemlich kniffelig, aber eine extrem spannende Herausforderung.

The Climbers (bei Simply Complex / Capstone, USA)
Designer: Holger Lanz

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2 Kommentare zu „Essen, Shut up and Take my Money – Meine ausländischen Spielemesse-Highlights 2017“

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